Monitor Lehrerbildung

© 2012 | Bertelsmann Stiftung, CHE Gemeinnütziges Centrum für Hochschulentwicklung, Deutsche Telekom Stiftung, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e.V.

In jedem Land und an jeder Hochschule ist das Lehramtsstudium unterschiedlich geregelt - der Monitor Lehrerbildung stellt diese Vielfalt des Lehramtsstudiums, also der ersten Phase der Lehrerbildung, übersichtlich dar. Er bietet allen Interessierten kostenlose, aktuelle Informationen für faktenbasierte Diskussionen und Entscheidungen. Der Zugang zu den Daten kann über die neun relevanten Themen, über die Übersichten der landesweiten Regelungen oder die hochschulspezifische Ausgestaltung der Lehramtsstudiengänge erfolgen.

12. April 2013

„Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ soll ab 2014 wichtige Herausforderungen in den Blick nehmen – der Monitor Lehrerbildung bietet dafür relevante Daten

Die heute beschlossene Bund-Länder-Vereinbarung für eine „Qualitätsoffensive Lehrerbildung" ist eine begrüßenswerte und wichtige Initiative. Sie benennt wichtige Stellschrauben für die Qualität der Lehrerbildung, wie z.B. Studienstrukturen, Praxisbezug, Inklusion oder Mobilität. Der Monitor Lehrerbildung liefert zu diesen Themen Daten und Fakten, die ansonsten in der Form nicht zur Verfügung stehen. Das Kooperationsprojekt von Bertelsmann Stiftung, CHE Centrum für Hochschulentwicklung, Deutsche Telekom Stiftung und Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft bietet damit die Möglichkeit, den aktuellen Stand der Lehrerbildung vor der Etablierung der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ aufzuzeigen und ist somit ein passendes Instrument, um in Zukunft die Effekte von Maßnahmen abzubilden, die im Rahmen der Bund-Länder-Initiative etabliert werden.

Darüber hinaus benennt der Monitor Lehrerbildung weitere, die Qualität der Lehrerbildung bestimmende Aspekte, wie etwa Eignung oder Diversität von Lehramtsstudierenden, die bisher nicht im Fokus der  „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ stehen.

Der Monitor Lehrerbildung ist seit November 2012 als Informationsangebot im Internet zu finden (www.monitor-lehrerbildung.de). Er zeigt sowohl die landesspezifischen Regelungen zur ersten Phase der Lehrerbildung als auch die Gestaltung der Ausbildung durch die einzelnen Hochschulen. Das Ziel ist aktuelle Diskussionen über die Lehrerbildung mit Fakten zu untermauern und Transparenz über die hohe Komplexität der Lehrerbildung zu schaffen.

05. March 2013

Bundesweite Mobilität in der Lehrerbildung ermöglichen: „Verlässliche und transparente Übergänge schaffen und auf singuläre Sonderwege der Länder verzichten".

Wechselwillige Studierende sowie Absolventinnen und Absolventen von Lehramtsstudiengängen stoßen immer noch auf gravierende Hürden. Das zeigt eine aktuelle Sonderpublikation des gemeinsamen Projekts „Monitor Lehrerbildung" von Bertelsmann Stiftung, CHE Centrum für Hochschulentwicklung, Deutsche Telekom Stiftung und Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Die Broschüre „Mobilität in der Lehrerbildung – gewollt und nicht gekonnt?!" identifiziert Hindernisse der Mobilität in der Lehrerbildung und zeigt mögliche Lösungswege auf. Die Projektpartner rufen die Kultusminister dazu auf, bei ihrer Konferenz im März verlässliche und transparente Regelungen für Wechselwillige zu beschließen und bei der gegenseitigen Anerkennung von Studienleistungen und -abschlüssen im Bereich der Lehrerbildung flexibel und ergebnisorientiert vorzugehen. Es sei überfällig, auf singuläre Sonderwege der Länder zu verzichten.

„Mit einem deutschen Biologie-Bachelor kann man leicht einen Master in Spanien anschließen und später in Frankreich arbeiten. Warum werden Lehramtsstudierenden dagegen bei einem innerdeutschen Wechsel von einem Land in ein anderes so viele Steine in den Weg gelegt?", sagt Prof. Dr. Frank Ziegele, Geschäftsführer des CHE Centrum für Hochschulentwicklung.

Lehramtsstudierende haben auch heute noch mit enormen Schwierigkeiten zu kämpfen, wenn sie die Hochschule wechseln oder den Vorbereitungsdienst in einem anderen Bundesland beginnen möchten: Die gegenseitige Anerkennung von Studienleistungen und -abschlüssen durch die Länder und Hochschulen ist noch lange keine Selbstverständlichkeit. So erschweren unter anderem die unterschiedlichen Schulformen und Lehramtstypen sowie verschiedene Studienstrukturen und -abschlüsse, die in den 16 Ländern anzutreffen sind, die Anschlussfähigkeit und einfache Übergänge.

In letzter Zeit erhöht der Bund jedoch den Druck auf die Länder, sich rasch auf verbindliche Lösungen zu einigen: Er will erst dann die Mittel der Qualitätsoffensive für die Lehrerbildung freigeben, wenn durch die Länder bundesweite Mobilität während des Studiums, zum Vorbereitungsdienst sowie im Beruf sichergestellt ist. Die Kultusministerkonferenz plant, noch im März 2013 entsprechende Richtlinien zur Verbesserung der nationalen Mobilität in der Lehrerbildung zu beschließen und in entsprechenden Ländergesetzen und Verordnungen umzusetzen.

Die Bertelsmann Stiftung, das CHE Centrum für Hochschulentwicklung, die Deutsche Telekom Stiftung und der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft begrüßen diesen Ansatz, bedarfsorientierte Einzelfallsteuerung durch verbindliche Regelungen zu ersetzen, und weisen aus diesem Anlass in einer Sonderpublikation aus dem Projekt „Monitor Lehrerbildung“ auf mögliche Lösungswege hin.

In erster Linie entscheidet sich der Erfolg der angestrebten Regelungen daran, ob die Länder bereit sind, auf singuläre Sonderwege in Bezug auf strukturelle Fragen zu verzichten wie etwa Schulformen oder Fächerkombinationen, die es in kaum einem anderen Land gibt. Ebenfalls wesentlich ist eine Verständigung auf verlässliche und transparente Regelungen zum „Einfädeln“ von Studierenden sowie Absolventinnen und Absolventen aus anderen Ländern über einheitliche Einstiegspunkte und -voraussetzungen für einen Wechsel.

„Mindestens ebenso wichtig wie eine Vereinheitlichung der Regeln ist eine liberale Anerkennungspraxis, die auf kleinteilige Überprüfungen verzichtet“, sagt Dr. Volker Meyer-Guckel, stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbandes: „Es darf nicht darum gehen, um jeden Preis die Unterschiede in den einzelnen Ausbildungssystemen zu finden, sondern einzig und allein um die Frage: Was kann ein angehender Lehrer und welche Kompetenzen bringt er mit? Hier müssen nicht nur die Länder, sondern auch die Hochschulen und Studienseminare deutlich flexibler werden.“ Bei der länderübergreifenden gegenseitigen Anerkennung von Studienleistungen sollten daher nicht kleinteilig  einzelne Module im Hinblick auf inhaltliche Vergleichbarkeit überprüft werden – es kommt auf die erworbenen Kompetenzen, nicht auf den Input an.

Prof. Dr. Frank Ziegele: „Es ist überfällig und im Interesse aller, dass endlich vernünftige Übergangsregelungen vereinbart werden. Entscheidend wird sein, dass sinnvolle Ansätze von allen Beteiligten gewollt, mitgetragen und auch umgesetzt werden."

Printexemplare können angefordert werden bei Barbara Grüwaz (barbara.gruewaz@che.de).

17. December 2012

Inklusion und Heterogenität – Jede fünfte Hochschule bereitet Lehramtsstudierende explizit auf diese Herausforderungen vor.

Die Ergebnisse von IGLU und TIMSS zeigen die große Herausforderung für die Lehrerbildung: Inklusion und die vielgestaltige Schülerschaft. Etwa ein Fünftel der Hochschulen in Deutschland haben „Inklusion“ und „Heterogenität“ zum verpflichtenden und im Zeugnis ausgewiesenen Schwerpunkt der Lehrerbildung gemacht. D.h. angehende Lehrerinnen und Lehrer werden dort intensiv darauf vorbereitet, auf Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen und vielfältigen sozialen Hintergründen einzugehen. Je nach Lehramtstyp zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede. Dies belegt der Monitor Lehrerbildung, der umfassende Vergleichsdaten über die Lehrerbildung in Deutschland bereitstellt.

Beinahe täglich gibt es Meldungen zu den Schulen in Deutschland: Laut IGLU und TIMSS schneiden Grundschülerinnen und Grundschüler in Deutschland im weltweiten Vergleich aktuell gut ab. Trotzdem hinke jedes fünfte Kind bei den Leistungen im Lesen und Mathematik zu stark hinterher. Ein zudem immer wieder in Studien gefundenes Fazit: Bildungschancen sind stark abhängig vom Elternhaus und die Schülerschaft wird vielfältiger. Auf die aufgeworfenen Fragen muss die Lehrerbildung Antworten finden: Inklusion und der Umgang mit Heterogenität müssen bereits Gegenstand des Studiums werden, um Lehrerinnen und Lehrer auf die gestiegenen und veränderten Anforderungen vorzubereiten.

Schnell wird in der öffentlichen Debatte den Hochschulen Untätigkeit vorgeworfen, aber ist dies gerechtfertigt? Um solche Fragen klären zu können, haben die Bertelsmann Stiftung, das CHE Centrum für Hochschulentwicklung, die Deutsche Telekom Stiftung und der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft den Monitor Lehrerbildung ins Leben gerufen, eine umfassende Sammlung von Daten und Fakten zur Lehrerbildung. Dort zeigt sich: In jeweils etwa einem Fünftel der befragten Hochschulen existieren die Themen „Inklusion“ und „Heterogenität“ als verpflichtende Studienschwerpunkte und werden als solche explizit im Zeugnis als spezielle Qualifikation ausgewiesen. „Diese Hochschulen leisten Pionierarbeit, die Einbeziehung dieser Inhalte ist aber noch deutlich ausbaufähig“, sagt Melanie Rischke, Projektleiterin für den Monitor beim CHE.

Um an einer bestimmten Schulform arbeiten zu können, müssen sich die Studierenden für einen der so genannten „Lehramtstypen“ entscheiden – je nachdem, ob sie Grundschülerinnen und Grundschüler oder Abiturientinnen und Abiturienten unterrichten werden. Für jede Schulform und die dortigen spezifischen Herausforderungen benötigen die angehenden Lehrerinnen und Lehrer das passende Rüstzeug. Die Daten im Monitor Lehrerbildung zeigen: Im Vergleich der Lehramtstypen treten deutliche Unterschiede zu Tage. Bei den sonderpädagogischen Lehrämtern ist das Gewicht der Inklusion erwartungsgemäß hoch, bei den Lehrämtern der Grundschule bzw. Primarstufe ist nur an 14 Prozent der Hochschulen, die für diesen Typen ausbilden und die auf die Frage antworteten, Inklusion ein verpflichtender Schwerpunkt, der auf dem Abschlusszeugnis ausgewiesen wird. Bei den Lehrämtern für die Sekundarstufe II (allgemeinbildende Fächer) oder für das Gymnasium sind es 7 Prozent der Hochschulen. Nicht in allen Ausbildungsgängen ist demnach die Inklusion als Thema gleichermaßen angekommen.

08. November 2012

Orientierung: Wie funktioniert der Monitor Lehrerbildung?

Wie ist das Lehramtsstudium in Deutschland organisiert? Welche landesweiten Regelungen gibt es? Inwiefern unterscheiden sich die Lehramtsstudiengänge an den einzelnen Hochschulen? Oder aber auch: Sind die Studiengänge, die für die einzelnen Schulformen ausbilden, an einer Hochschule gleich konzipiert oder gibt es auch hier Differenzen?

Der Monitor Lehrerbildung bietet strukturiert und übersichtlich vergleichende Daten zu diesen und weiteren Fragen. Damit die Heterogenität der Lehrerbildung handhabbar gemacht wird, strukturiert diese Website die vorliegenden Daten in mehreren Zugängen. So sollen möglichst viele Interessen bedient und Einstiege in dieses komplexe Thema geboten werden.

Die einzelnen Zugänge zu den Daten:

Themen

Um die erste Phase der Lehrerbildung, das Lehramtsstudium, beschreiben zu können, wurden neun Themen identifiziert. Für jede der neun thematischen Fragen werden Merkmale über alle Länder und Hochschulen eines Landes hinweg dargestellt.

Länder

Bei diesem Einstieg steht die Lehrerbildung innerhalb eines Landes im Fokus. Hier kann ein Land ausgewählt werden und für dieses werden bis zu 36 Merkmale zu allen neun Themen aufgeführt.

Hochschulen

Für jede der 63 Hochschulen, die an der Befragung teilgenommen haben, findet sich eine Zusammenstellung von bis zu 49 Merk malen zu den neun Themen.

Lehramtstypen

In den Ländern gibt es unterschiedliche Schulformen. Um in einer bestimmten Schulform unterrichten zu können, muss ein Studium absolviert werden, dass dem entsprechenden Lehramtstypen zugeordnet wird. Für einen schnellen Überblick über die grundlegenden Unterschiede zwischen den Lehramtstypen finden sich hier die spezifischen Merkmale.

08. November 2012

Ergebnisse: Was bietet der Monitor Lehrerbildung?

Der Monitor Lehrerbildung erlaubt unterschiedliche Herangehensweisen - so kann die Lehrerbildung innerhalb eines Landes oder einer Hochschule betrachtet werden - oder aber es können Übersichten entlang der neun Themen gewonnen werden.

Für einen ersten Überblick, welche Erkenntnisse der Monitor Lehrerbildung bieten kann, hier beispielhaft die Ergebnisse zu einem Thema.

Landesebene:

Generell versuchen in Deutschland 14 Länder, Studienberechtigte durch gezieltes landesweites Marketing für ein Lehramtsstudium zu rekrutieren. Vier Länder betreiben landesweit allgemein Werbung für ein Lehramtsstudium, neun Länder haben zusätzlich zu einer allgemeinen Werbung für das Lehramtsstudium auch Maßnahmen für das Studium der MINT-Fächer initiiert. Ein Land wirbt nur die Aufnahme von MINT-Fächern, nicht allgemein für das Lehramtsstudium. Zwei Länder verzichten auf entsprechende Maßnahmen.

Hochschulebene:

Rekrutierungsmaßnahmen finden nicht nur auf der Ebene der Länder, sondern auch auf Hochschulebene statt: 55% der 63 Hochschulen, die an der Befragung teilnahmen, haben Rekrutierungsmaßnahmen, um Studierwillige für das Lehramtsstudium zu interessieren. Ein Drittel der Hochschulen bieten spezielle Maßnahmen zur Rekrutierung bislang unterrepräsentierter „Zielgruppen“, wie beispielsweise Studienanfänger mit Migrationshintergrund. Von den Hochschulen, die MINT-Fächer anbieten und die auf die Frage antworteten, gaben73 Prozent an, besondere Projekte/Kampagnen zur Aufnahme eines Lehramtsstudiums in MINT-Fächern initiiert zu haben.

Bei den Staatsexamens-Studiengängen ist laut Aussage der Hochschulen die Zahl der verpflichteten Eignungstests höher als bei den Bachelorstudiengängen (für alle Fächer/Lehramtstypen 18,5 vs. 4,8 % und bei einigen Fächern/Lehramtstypen 37 vs. 31%). Beratungsgespräche vor Studienbeginn sind nur an drei Hochschulen verpflichtend.

Über 72% der Hochschulen, die auf diese Frage geantwortet haben, bieten Beratungsangebote für Lehramtsstudierende zu Karrieremöglichkeiten außerhalb der allgemeinen Schulen.