Monitor Lehrerbildung

© 2014 | Bertelsmann Stiftung, CHE Gemeinnütziges Centrum für Hochschulentwicklung, Deutsche Telekom Stiftung, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e.V.

In jedem Land und an jeder Hochschule ist das Lehramtsstudium unterschiedlich geregelt - der Monitor Lehrerbildung stellt diese Vielfalt des Lehramtsstudiums, also der ersten Phase der Lehrerbildung, übersichtlich dar. Er bietet allen Interessierten kostenlose, aktuelle Informationen für faktenbasierte Diskussionen und Entscheidungen. Der Zugang zu den Daten kann über neun relevante Themen, über landesweite Regelungen oder hochschulspezifische Ausgestaltungen der Lehramtsstudiengänge erfolgen.

22. July 2014

Der neue Indikator im Blickpunkt - Recruitment in der ersten Phase der Lehrerbildung

Da die Erwartungshaltung an Lehrerinnen und Lehrer stetig steigt, wie etwa die individuelle Förderung in heterogener werdenden Klassen, und da Schülerleistungen in bedeutendem Maße vom Lehrerhandeln abhängen, ist es enorm wichtig, geeignete Kandidatinnen und Kandidaten für das Lehramtsstudium und den Lehrerberuf zu gewinnen. Zudem werden der Ausbau der Ganztagsschulen und die Umsetzung der Inklusion den zukünftigen Lehrerbedarf erhöhen. Schon Oberstufenschülerinnen und Oberstufenschüler sollten für ein Lehramtsstudium begeistert werden. Der Bedarf an Lehrkräften differiert allerdings je nach Land, Fach und Schulart.

Verantwortlich für das erforderliche Recruitment sind Länder und Hochschulen in gleichem Maße. Zum einen sind Informationskampagnen und Werbemaßnahmen denkbar, die entweder über das Lehramtsstudium allgemein informieren oder explizit für Mangelfächer (wie z.B. die sogenannten MINT-Fächer) werben. Darüber hinaus besteht der Wunsch, bislang in Lehramtsstudium und Lehrerberuf unterrepräsentierte Gruppen, wie zum Beispiel männliche Studierende eines Grundschullehramtes oder Studierende mit Zuwanderungsgeschichte, gezielt anzusprechen. Ferner sind Angebote zur Studienorientierung, selbstreflexive Eignungstests und Beratungsangebote hilfreiche Verfahren, um für das Lehramtsstudium und den Lehrerberuf geeignete (zukünftige) Studierende zu identifizieren.

Weitere Information zu diesem Indikator bzw. Thema bietet die im April 2014 vom Monitor Lehrerbildung herausgegebene Broschüre „Strategisches Recruitment von zukünftigen Lehrerinnen und Lehrern - sinnvoll und machbar?!“, die kostenlos als Download und als Printausgabe verfügbar ist.

Ob und welche Maßnahmen die Länder und Hochschulen zur Rekrutierung von Lehramtsstudierenden anwenden, zeigt der Indikator im Blickpunkt.

22. April 2014

Verschenktes Potenzial bei der Gewinnung zukünftiger Lehrkräfte

Geeignete Kandidatinnen und Kandidaten für den Lehramtsberuf systematisch anzuwerben, zu beraten und auf ihre Eignung hin zu überprüfen, davon kann in Deutschland noch keine Rede sein. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Sonderpublikation des Monitors Lehrerbildung. Die Broschüre „Strategisches Recruitment von zukünftigen Lehrerinnen und Lehrern – sinnvoll und machbar?!“ zeigt dabei auf, in welchen Bereichen Länder und Hochschulen ihre bisherigen Bemühungen noch steigern sollten, um geeignete Kandidaten für den Lehrerberuf zu gewinnen.

Genügend und vor allem die richtigen Kandidatinnen und Kandidaten für ein Lehramtsstudium zu begeistern, ist in Deutschland wichtiger denn je. Schließlich gilt es, den bis 2025 prognostizierten Bedarf von 25.800 neuen Lehrerinnen und Lehrern pro Jahr zu erfüllen. Darüber hinaus  ergeben Studien, wie etwa die des US-amerikanischen Bildungsökonomen Eric Hanushek, dass nicht nur die Quantität, sondern vielmehr auch die Qualität des Lehrpersonals einen entscheidenden Einfluss auf diverse Bereiche hat, von den Noten der Schülerinnen und Schülern bis zu deren späterem Lebenseinkommen. Und der erste Schritt zur Qualität ist das Recruiting der Lehramtsstudierenden.

Deshalb hat der Monitor Lehrerbildung in seiner Broschüre „Strategisches Recruitment von zukünftigen Lehrerinnen und Lehrern – sinnvoll und machbar?!“ besonders den Fokus auf den Bereich des Recruitings gelegt. Das gemeinsame Projekt von  Bertelsmann Stiftung, CHE Centrum für Hochschulentwicklung, Deutsche Telekom Stiftung und Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft hat das Engagement von Ländern und Hochschulen in diesem Bereich untersucht.

Zu einem strategischen Recruitment gehört als erstes, den Lehrerberuf als eine erstrebenswerte Joboption zu präsentieren, wie Volker Meyer-Guckel, stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, betont: „Ein erstrebenswerter Karriereweg hat viel mit Wertschätzung zu tun. Hochschulen müssen die Frage beantworten, was sie dafür tun, dass sich Lehramtsstudierende willkommen fühlen und ihre spezifischen Fragestellungen auch in der Wissenschaft wiederfinden.“

Daneben umfasst Recruiting auch eine umfassende Beratung der potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten sowie deren Überprüfung der Eignung für den Beruf. In einer Befragung von 65 lehrerbildenden Hochschulen in Deutschland hat der Monitor Lehrerbildung ermittelt, welche der folgenden Elemente eingesetzt werden:

-Projekte /Programme zur Rekrutierung von Lehramtsstudierenden
-Beratungsgespräche als Zulassungsvoraussetzung
-verpflichtende Eignungspraktika
-Eignungstests als Zulassungsvoraussetzung

Das Ergebnis: Lediglich 17 von 65 Hochschulen (26 Prozent) führen mindestens drei der vier genannten Maßnahmen durch. Keine einzige Hochschule sieht alle Elemente vor, die zu einem strategischen Recruitingprozess gehören sollten.

Gerade Eignungsabklärungen werden noch zu selten genutzt. Nur rund die Hälfte der befragten Hochschulen sieht einen obligatorischen Eignungstest vor Studienbeginn vor. Ein verpflichtendes Eignungspraktikum muss lediglich an drei Prozent der Hochschulen bereits vor Studienbeginn absolviert werden.

Neben einer Optimierung der bestehenden Möglichkeiten, sollte zur Strategie von Ländern und Hochschulen auch gehören, flexible Alternativen innerhalb der Ausbildung anzubieten, falls Studierende erkennen, dass sie für einen anderen Berufsweg besser geeignet sind. Deshalb sprechen sich die Kooperationspartner des Monitors Lehrerbildung für eine bedarfsgerechte Flexibilisierung innerhalb des Studiensystems aus.

„Die Strukturen der einzelnen Phasen der Lehrerbildung sollten so gestaltet werden, dass sie den Lehramtsstudierenden sowie den Lehrerinnen und Lehrern größtmögliche Flexibilität hinsichtlich der Schulform bieten“, erklärt CHE Geschäftsführer Frank Ziegele. Dabei gelte es, die Chancen polyvalenter Bachelorstudiengänge besser zu nutzen als bisher.

Der Monitor Lehrerbildung ist die bundesweit einzige Datenbank zum Lehramtsstudium. Unter www.monitor-lehrerbildung.de sind insgesamt mehr als 8.000 relevante Daten und Fakten zur ersten Phase der Lehrerbildung abrufbar. Zu ausgewählten Themen veröffentlicht der Monitor Lehrerbildung Sonderpublikationen aufgrund von stetig aktualisierten Daten und qualitativen Erhebungen. Der Monitor Lehrerbildung ist ein gemeinsames Projekt von Bertelsmann Stiftung, CHE Centrum für Hochschulentwicklung, Deutsche Telekom Stiftung und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft.

Die Broschüre finden Sie hier.

23. January 2014

Internationale Konferenz zur Lehrerbildung – deutsche und europäische Perspektiven

Auf der Tagung „Education and Training for European Teachers: Competence Models, Curricular Objectives and Harmonising Theory and Practice”, welche am 20. und 21.01.2014 von dem Projekt nexus der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in Essen ausgerichtet wurde und an der auch das Projektteam des Monitors Lehrerbildung mit einem Posterbeitrag teilnahm, wurden viele relevante, aktuelle Themen der Lehrerbildung diskutiert.

Durch die zahlreichen internationalen Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie Referentinnen und Referenten – unter anderem aus Norwegen, Schweden, Österreich und England – bekam die Tagung einen europäischen Rahmen und ermöglichte somit eine international vergleichende Perspektive, Reflexion und Austausch. Neben der strukturellen und inhaltlichen Ausgestaltung der drei Phasen der Lehrerbildung wurden Themen wie beispielsweise Kompetenzmodelle und Professionalisierungsstrategien in der Lehrerbildung, die Rekrutierung von geeigneten Lehramtsstudierenden sowie Lehrerinnen und Lehrern und die notwendigen Anforderungen an eine inklusive Lehrerbildung diskutiert.

Die ausgestellten Posterbeiträge sowie erläuternde Abstracts finden Sie hier.

20. December 2013

Expertentagung zur Lehrerbildung in Paderborn am 27./28.02.2014 - „Erfahrung, Reflexion und Entwicklung – Lehrer(aus)bildung vernetzt denken und gemeinsam gestalten“

Die Bedeutung der Gestaltung der Lehrerprofessionalisierung als phasenübergreifender Prozess wird sowohl in der Wissenschaft als auch in der Politik herausgestellt. Hiermit verbindet sich die Forderung Lehrerbildung verstärkt als berufsbiografischen Prozess zu verstehen. Die Akteure der einzelnen Ausbildungsabschnitte sind somit neben ihren spezifischen Aufgaben und Funktionen dazu aufgefordert, eine kontinuierliche und anschlussfähige Lern- und Entwicklungsphase zu ermöglichen und zu unterstützen. Neben einer notwendigen curricularen Abstimmung wird ebenfalls eine verstärkte Kooperation und Koordination der institutionellen Akteure aller drei Phasen der Lehrerbildung gefordert sein.

Vor diesem Hintergrund sollen auf der Expertentagung „Erfahrung, Reflexion und Entwicklung – Lehrer(aus)bildung vernetzt denken und gemeinsam gestalten“ am 27./28.02.2014 in Paderborn Konzepte, Erfahrungen und Entwicklungen, wie der Erwerb professioneller Kompetenzen als eine gemeinsame Gestaltungsaufgabe realisiert werden kann, diskutiert werden.

Neben einem Grußwort der Ministerin für Schule und Weiterbildung des Landes NRW Sylvia Löhrmann und einem gemeinsamen Eingangsvortrag der Veranstalter, beinhaltet das Tagungsprogramm 16 Workshops rund um die Aspekte des Tagungsthemas sowie den Schlussvortrag „Forschende Lehrerbildung“ von Prof. Dr. Herbert Altrichter (Johannes Kepler Universität Linz). Die Tagung wird von den Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung Detmold und Paderborn und dem Zentrum für Bildungsforschung und Lehrerbildung (PLAZ) der Universität Paderborn veranstaltet.

Weitere Informationen auf der Homepage des PLAZ

03. December 2013

PISA-Studie: Deutschland verbessert sich – kein Grund, Anstrengungen in der Lehrerbildung nachzulassen

Das Abschneiden in Tests wie PISA wird als Indikator für das Funktionieren eines nationalen Schulsystems angesehen. Für ein gutes Ergebnis der Schülerinnen und Schüler sind vielfältige Anstrengungen nötig, auch und gerade in der Lehrerbildung. Die Ergebnisse der letzten PISA-Studie, welche am 03.12.13 vorgestellt wurden, zeigen, dass sich Deutschland in allen drei Kompetenzbereichen (Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen) statistisch signifikant verbessert hat und über dem OECD-Durchschnitt liegt.

Zu beachten ist allerdings, dass es sich hierbei um den Bundesdurchschnitt handelt – und die 16 Länder durchaus unterschiedlich abgeschnitten haben können. Insgesamt liegt Deutschland teilweise über zwei Schuljahre hinter den Spitzenreitern aus Südostasien zurück. Diese Lücke lässt sich nur durch weiterhin konsequente und bedachte Reformvorhaben schließen. Vor allem im Bereich der Lehrerbildung können und müssen qualitativ hochwertige Ansätze gefunden und konsequent umgesetzt werden. Ein Ansatzpunkt könnte die Rekrutierung geeigneter Kandidatinnen und Kandidaten für den Lehrberuf sein, um zu verhindern, dass Schulstunden ausfallen oder fachfremder Unterricht erteilt wird. Auch die adäquate Vorbereitung von Lehramtsstudierenden auf den beruflichen Alltag mit Hilfe eines angemessenen Praxisbezugs kann ein Mosaikstein sein, der dazu beiträgt, dass Schülerinnen und Schüler in allen Fächern individuell gefördert werden.

Der Monitor Lehrerbildung hat in einer Broschüre den Praxisbezug der Lehrerbildung genauer beleuchtet und bietet auf der Website www.monitor-lehrerbildung.de Daten zur Situation der ersten Phase der Lehrerbildung.

Die Studienergebnisse im Überblick

02. December 2013

Adventskalender der Deutschen Mathematiker-Vereinigung und MATHEON

Die Idee der digitalen Adventskalender ist, in der Vorweihnachtszeit Mathematik-Aufgaben zu stellen, die auf spielerische und faszinierende Weise viele Facetten der Mathematik zeigen. Zwischen dem 1. und dem 24. Dezember wird hinter virtuellen Kalendertürchen täglich je eine Aufgabe pro Altersstufe zur Verfügung gestellt.

Wissenschaftler des MATHEON und der DMV sowie andere Mathe-Begeisterte aus ganz Deutschland haben sich knifflig-spaßige Matheaufgaben ausgedacht, unterhaltsam verpackt in weihnachtliche Geschichten und humorvoll illustriert von dem Technomathematik-Studenten Michael Gralmann. Die Kalender gibt es wieder in den bekannten drei Schwierigkeitsstufen: für die 4. bis 6. Klassen die 7. bis 9. und die Oberstufe (ab Jahrgangsstufe 10).

Bei entsprechendem Durchhaltevermögen und überwiegend richtigen Lösungen können die Schülerinnen und Schüler hochwertige Preise mit Bezug zur Mathematik gewinnen. Inzwischen haben sich die Mathe-Adventskalender zu einem der größten bundesweiten Mathematik-Wettbewerbe gemausert, die auch in den Nachbarstaaten und in den deutschen Auslandsschulen weltweit gerne gespielt werden.

Bei den DMV-Kalendern für die 4. bis 9. Klassen sind auch Frühstarter (ab 2. Klasse) und Schulklassen zugelassen, Erwachsene können ihr Schulwissen in Mathematik über den so genannten „Spaß-Account" testen. Der MATHEON-Kalender richtet sich an einzelne Schülerinnen und Schüler der Oberstufe und an Erwachsene. Traditionell gibt es wieder tolle Preise in verschiedenen Preiskategorien zu gewinnen, siehe www.mathekalender.de

19. November 2013

Lehrerbildung muss internationaler werden – Resolution zur Internationalisierung der Lehramtsausbildung

Auf der Tagung „Internationalisierung der Lehrerbildung“ am 08.11.2013, welche vom DAAD in Berlin ausgerichtet wurde und an der auch das Projektteam des Monitors Lehrerbildung teilnahm, wurde eine Resolution zur Internationalisierung der Lehramtsausbildung verabschiedet. In dieser wenden sich die 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung gemeinsam an die künftige Bundesregierung und die Landesregierungen.

Sie konstatieren, dass die internationale Mobilität der Lehramtsstudierenden in Deutschland bisher nur unterdurchschnittlich ausgeprägt ist. Vor dem Hintergrund der Diversität der Schülerschaft, aber auch, um andere Lernkulturen und -konzepte kennenzulernen, werden internationale Erfahrungen und interkulturelle Kompetenzen für die angehenden Lehrerinnen und Lehrer sicherlich wichtiger werden. Die Lehramtsausbildung bietet hierfür aus Sicht der unterzeichnenden Teilnehmer(innen) jedoch bisher keine ausreichenden Gelegenheiten und Möglichkeiten, so dass die zukünftigen Lehrkräfte nicht adäquat auf die Herausforderungen vorbereitet werden. In der Resolution werden sieben Ansätze benannt, um die Lehrerbildung zukünftig internationaler auszurichten. So sollte z.B. nicht nur die Möglichkeit geschaffen werden Praxisphasen im Ausland absolvieren zu können und anerkennen zu lassen, sondern ebenso Anreize und Hilfestellungen für die internationale Mobilität geschaffen werden. Darüber hinaus sollte etwa verstärkt um ausländische Lehramtsstudierende geworben werden. Aber auch der jetzigen Lehrergeneration sollten interkulturelle und internationale Erfahrungen durch Weiterbildungen und Auslandsangebote ermöglicht werden.

Lesen Sie hier die Resolution im Original.

15. October 2013

Praxisbezug in der Lehrerbildung: Mehr Angebote, aber keine einheitlichen Lösungen

Lehramtsstudierende wünschen sich mehr Praxisbezug im Studium. Zwar gibt es mittlerweile deutlich mehr entsprechende Angebote, doch diese sind weder zwischen den Ländern noch den Hochschulen untereinander abgestimmt, auch ihre Wirkung ist nicht ausreichend erforscht. Zu diesem Ergebnis kommt der Monitor Lehrerbildung in seiner aktuellen Publikation „Praxisbezug in der Lehrerbildung – Je mehr, desto besser?!“ und fordert unter anderem eine bessere Betreuung durch Mentorinnen und Mentoren.

Der „Praxisschock“ beim Einstieg in den Lehrerberuf ist unbestritten. Darauf haben die Länder und Hochschulen in Deutschland mit unterschiedlichen Maßnahmen reagiert. Doch nach einheitlich umgesetzten Standards sucht man vergeblich, wie die aktuelle Auswertung des Monitors Lehrerbildung zeigt. Ob im zweiten oder siebten Semester, in 14 Wochen, an 65 Tagen oder mit 30 Leistungspunkten, gemessen oder gezählt werden die Praxisphasen in jedem Land anders. Die Zuständigkeiten sind nicht eindeutig, in einigen Ländern sind die Hochschulen, in anderen die Studienseminare oder Zentren für Lehrerbildung verantwortlich, was einen Praxisbezug aus einem Guss erschwert.

Dies ist ein zentrales Ergebnis des Monitor Lehrerbildung in seiner aktuellen Publikation „Praxisbezug in der Lehrerbildung – Je mehr, desto besser?!“. Das gemeinsame Projekt der Bertelsmann Stiftung, des CHE Centrum für Hochschulentwicklung, der Deutsche Telekom Stiftung und des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft hat sich zum Ziel gesetzt, die Diskussion über die Lehrerbildung mit aktuellen Fakten zu untermauern und Unterschiede zwischen den Ländern und Hochschulen sichtbar zu machen.

Als Erfolgsfaktor identifiziert der Monitor Lehrerbildung eine bessere Verzahnung von Schulpraxis und Hochschulstudium und empfiehlt insbesondere den verstärkten Einsatz von Lehrkräften aus dem Schuldienst in der Lehreramtsausbildung und bei der Betreuung der Studierenden. Den Bedarf nach gut ausgebildeten Mentorinnen und Mentoren begründet Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung: „Gute Schule ist guter Unterricht und der wird durch gute Lehrerinnen und Lehrer gemacht. Regelmäßiges und persönliches Feedback für angehende Lehrerinnen und Lehrer von erfahrenen Pädagoginnen und Pädagogen sollten ein verbindlicher Bestandteil der Ausbildung werden.“

Auch bei den Praxisphasen fordern die Projektpartner des Monitors Lehrerbildung künftig eine engere Kooperation aller Akteure, wie sie beispielsweise in Nordrhein-Westfalen vorgesehen ist. Dort soll das Praxissemester zwar von den Hochschulen verantwortet, aber dennoch mit den Schulen und Studienseminaren gemeinsam durchgeführt werden. Gleichzeitig sprechen sich die Initiatoren des Monitors Lehrerbildung für eine bessere Evaluation und Erforschung der Wirkung von Praxisphasen aus.

Ein zentraler Punkt ist die Erfahrung außerschulischer Praktika innerhalb des Lehramtsstudiums, wie Dr. Ekkehard Winter, Geschäftsführer der Deutsche Telekom Stiftung, erläutert: „Fasst man den Praxisbegriff weiter und nimmt die Lebens- und künftige Arbeitswelt der Schülerinnen und Schüler in den Blick, so fällt auf, dass hierzu kaum Konzepte zur Integration in die Lehramtsausbildung vorliegen. Notwendig wäre hier ein erweiterter Praxisbegriff, der künftigen Lehrkräften einen Perspektivwechsel ermöglichen kann.“

Der Monitor Lehrerbildung ist die bundesweit einzige Datenbank zum Lehramtsstudium. Unter www.monitor-lehrerbildung.de sind insgesamt mehr als 8000 relevante Daten und Fakten zur ersten Phase der Lehrerbildung abrufbar. Zu ausgewählten Themen veröffentlicht der Monitor Lehrerbildung Sonderpublikationen aufgrund von stetig aktualisierten Daten und qualitativen Erhebungen, so wie die im März 2013 erschienene Broschüre „Mobilität in der Lehrerbildung – gewollt und nicht gekonnt?!“. Der Monitor Lehrerbildung ist ein gemeinsames Projekt von der Bertelsmann Stiftung, dem CHE Centrum für Hochschulentwicklung, der Deutsche Telekom Stiftung und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft.

Die aktuelle Publikation ist unter www.monitor-lehrerbildung.de/schwerpunkt/praxisbezug als Download verfügbar.

16. July 2013

Neue Ebene: Diagramme ermöglichen einen schnelleren Überblick

Der Monitor Lehrerbildung bietet auf seiner Website eine neue Betrachtungsebene: Die neuen Diagramme ermöglichen eine vereinfachte Übersicht über ausgewählte Indikatoren. Daten auf Hochschul- und Landesebene werden somit im bundesweiten Überblick grafisch dargestellt.

Es besteht die Möglichkeit, auf einen Blick zu sehen, wie viele Hochschulen beispielsweise Projekte/Kampagnen zur Aufnahme eines Lehramtsstudiums von MINT-Fächern initiiert haben (zum Diagramm). Die Diagramme sind den neun Themen zugeordnet und können zum Beispiel für das Thema „Ein- und Umstiegsmöglichkeiten“ unter http://www.monitor-lehrerbildung.de/web/thema/ein--und-umstiegsmoeglichkeiten betrachtet werden. Zudem werden die Diagramme auf allen Landes- und Hochschuldetailseiten verknüpft.

14. June 2013

Immer auf dem Laufenden beim Thema Lehrerbildung

Fakten zur Lehrerbildung sind nicht allein deshalb unüberschaubar, weil 16 Bundesländer den Bereich unterschiedlich regeln, sondern weil sich auf diesem Feld auch jede Menge Neuigkeiten ergeben. Der kostenlose Newsletter Monitor Lehrerbildung bietet deshalb jetzt monatlich Informationen rund um das Thema der Lehrerbildung an. Wir informieren Sie über politische Aspekte, hochschulspezifische Neuigkeiten, Informationen zu Forschungsprojekten und führen Veranstaltungen auf, die sich mit Lehrerbildung beschäftigen.

Interessiert? Dann nutzen Sie unser Anmeldeformular und bleiben Sie informiert.

Ausgabe 1 vom Juni 2013 unter anderem mit diesen Themen:

- Klares Bekenntnis zur Bedeutung der Lehrerbildung – HRK beschließt Empfehlungen

- Pressestimmen zur Qualitätsoffensive Lehrerbildung+

- Diskussionen zu den Empfehlungen der Expertenkommission in Baden-Württemberg

- News zu Praxissemestern

Im Newsletter-Archiv finden Sie die vollständige Ausgabe des ersten Newsletters.

24. May 2013

HRK beschließt Empfehlungen: Ein aktueller Faktencheck zeigt den Stand

Auf der 14. Mitgliederversammlung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) am 14./15. Mai wurden Empfehlungen zur Lehrerbildung verabschiedet. Aber wie steht es an den deutschen Hochschulen wirklich um die angesprochenen Punkte? Der Monitor Lehrerbildung liefert Daten und Fakten zum Stand der Umsetzung der HRK-Leitlinien.

Die HRK betont, dass sich die Hochschulen ihrer besonderen Verantwortung, die sie mit ihrem Beitrag zur Lehrerbildung übernehmen, bewusst sind und der Lehrerbildung einen angemessenen Stellenwert zusprechen. Diese Botschaft scheint bereits angekommen: Gut 86 Prozent der Hochschulen, die die Frage in der Befragung im Sommer 2012 beantwortet haben, ordnen die Lehrerbildung explizit als Verantwortungsbereich der Leitungsebene zu. An 48 Prozent der Hochschulen wird die Lehrerbildung im Leitbild/Mission Statement berücksichtigt. Strategischen Ziele für die Lehrerbildung sind innerhalb 79 Prozent der Hochschulen formuliert, die Angaben hierzu machten.

Des Weiteren wird von der HRK die Verankerung der Lehrerbildung in hochschulischen Strukturen angesprochen, das könnte z. B. bedeuten in Lehrerbildungszentren bzw. Schools of Education. Auch hier liefert der Monitor interessante Daten: Nur drei Universitäten hatten zum Wintersemester WS 2011/12 keine derartige Einrichtung. Die genaue Umsetzung ist heterogen: In zwei Fällen sind die Organisationen eigene Fakultäten, teils sind sie Querschnittseinrichtungen zu den Fachbereichen und in über 70 Prozent der Fälle zentrale fachbereichsübergreifende Einrichtungen. Die HRK betont, dass die „Einrichtungen von Lehrerbildungszentren an den Universitäten oder die vereinzelt eingerichteten Professional Schools of Education für sich alleine noch keine qualitätsverbessernden Maßnahmen“ darstellen.

Die inhaltliche Gestaltung der Lehrerbildung kann an den Hochschulen an mehreren Institutionen verankert sein: So ist sie nur an etwa einem Drittel der Hochschulen (38 Prozent) bei den Lehrerbildungszentren bzw. bei den Schools of Education verankert. Deutlich überwiegend (an knapp 80 Prozent der Hochschulen) sind die Fachbereiche an der inhaltlichen Gestaltung der Lehrerbildung beteiligt. 69 Prozent der Hochschulen gaben an, dass das Promotionsrecht für Absolventinnen und Absolventen der Lehramtsstudiengänge bei den Fachwissenschaften liegt. Die Zentren für Lehrerbildung bzw. Schools of Education besitzen nur in zwei Fällen das Promotionsrecht und das sind zwei Schools of Education.

Die HRK greift in ihren Empfehlungen noch weitere Aspekte auf, zu denen Daten und Fakten zum Status Quo der Lehrerbildung im Monitor Lehrerbildung zu finden sind.

12. April 2013

„Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ soll ab 2014 wichtige Herausforderungen in den Blick nehmen – der Monitor Lehrerbildung bietet dafür relevante Daten

Die heute beschlossene Bund-Länder-Vereinbarung für eine „Qualitätsoffensive Lehrerbildung" ist eine begrüßenswerte und wichtige Initiative. Sie benennt wichtige Stellschrauben für die Qualität der Lehrerbildung, wie z.B. Studienstrukturen, Praxisbezug, Inklusion oder Mobilität. Der Monitor Lehrerbildung liefert zu diesen Themen Daten und Fakten, die ansonsten in der Form nicht zur Verfügung stehen. Das Kooperationsprojekt von Bertelsmann Stiftung, CHE Centrum für Hochschulentwicklung, Deutsche Telekom Stiftung und Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft bietet damit die Möglichkeit, den aktuellen Stand der Lehrerbildung vor der Etablierung der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ aufzuzeigen und ist somit ein passendes Instrument, um in Zukunft die Effekte von Maßnahmen abzubilden, die im Rahmen der Bund-Länder-Initiative etabliert werden.

Darüber hinaus benennt der Monitor Lehrerbildung weitere, die Qualität der Lehrerbildung bestimmende Aspekte, wie etwa Eignung oder Diversität von Lehramtsstudierenden, die bisher nicht im Fokus der  „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ stehen.

Der Monitor Lehrerbildung ist seit November 2012 als Informationsangebot im Internet zu finden (www.monitor-lehrerbildung.de). Er zeigt sowohl die landesspezifischen Regelungen zur ersten Phase der Lehrerbildung als auch die Gestaltung der Ausbildung durch die einzelnen Hochschulen. Das Ziel ist aktuelle Diskussionen über die Lehrerbildung mit Fakten zu untermauern und Transparenz über die hohe Komplexität der Lehrerbildung zu schaffen.

05. March 2013

Bundesweite Mobilität in der Lehrerbildung ermöglichen: „Verlässliche und transparente Übergänge schaffen und auf singuläre Sonderwege der Länder verzichten".

Wechselwillige Studierende sowie Absolventinnen und Absolventen von Lehramtsstudiengängen stoßen immer noch auf gravierende Hürden. Das zeigt eine aktuelle Sonderpublikation des gemeinsamen Projekts „Monitor Lehrerbildung" von Bertelsmann Stiftung, CHE Centrum für Hochschulentwicklung, Deutsche Telekom Stiftung und Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Die Broschüre „Mobilität in der Lehrerbildung – gewollt und nicht gekonnt?!" identifiziert Hindernisse der Mobilität in der Lehrerbildung und zeigt mögliche Lösungswege auf. Die Projektpartner rufen die Kultusminister dazu auf, bei ihrer Konferenz im März verlässliche und transparente Regelungen für Wechselwillige zu beschließen und bei der gegenseitigen Anerkennung von Studienleistungen und -abschlüssen im Bereich der Lehrerbildung flexibel und ergebnisorientiert vorzugehen. Es sei überfällig, auf singuläre Sonderwege der Länder zu verzichten.

„Mit einem deutschen Biologie-Bachelor kann man leicht einen Master in Spanien anschließen und später in Frankreich arbeiten. Warum werden Lehramtsstudierenden dagegen bei einem innerdeutschen Wechsel von einem Land in ein anderes so viele Steine in den Weg gelegt?", sagt Prof. Dr. Frank Ziegele, Geschäftsführer des CHE Centrum für Hochschulentwicklung.

Lehramtsstudierende haben auch heute noch mit enormen Schwierigkeiten zu kämpfen, wenn sie die Hochschule wechseln oder den Vorbereitungsdienst in einem anderen Bundesland beginnen möchten: Die gegenseitige Anerkennung von Studienleistungen und -abschlüssen durch die Länder und Hochschulen ist noch lange keine Selbstverständlichkeit. So erschweren unter anderem die unterschiedlichen Schulformen und Lehramtstypen sowie verschiedene Studienstrukturen und -abschlüsse, die in den 16 Ländern anzutreffen sind, die Anschlussfähigkeit und einfache Übergänge.

In letzter Zeit erhöht der Bund jedoch den Druck auf die Länder, sich rasch auf verbindliche Lösungen zu einigen: Er will erst dann die Mittel der Qualitätsoffensive für die Lehrerbildung freigeben, wenn durch die Länder bundesweite Mobilität während des Studiums, zum Vorbereitungsdienst sowie im Beruf sichergestellt ist. Die Kultusministerkonferenz plant, noch im März 2013 entsprechende Richtlinien zur Verbesserung der nationalen Mobilität in der Lehrerbildung zu beschließen und in entsprechenden Ländergesetzen und Verordnungen umzusetzen.

Die Bertelsmann Stiftung, das CHE Centrum für Hochschulentwicklung, die Deutsche Telekom Stiftung und der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft begrüßen diesen Ansatz, bedarfsorientierte Einzelfallsteuerung durch verbindliche Regelungen zu ersetzen, und weisen aus diesem Anlass in einer Sonderpublikation aus dem Projekt „Monitor Lehrerbildung“ auf mögliche Lösungswege hin.

In erster Linie entscheidet sich der Erfolg der angestrebten Regelungen daran, ob die Länder bereit sind, auf singuläre Sonderwege in Bezug auf strukturelle Fragen zu verzichten wie etwa Schulformen oder Fächerkombinationen, die es in kaum einem anderen Land gibt. Ebenfalls wesentlich ist eine Verständigung auf verlässliche und transparente Regelungen zum „Einfädeln“ von Studierenden sowie Absolventinnen und Absolventen aus anderen Ländern über einheitliche Einstiegspunkte und -voraussetzungen für einen Wechsel.

„Mindestens ebenso wichtig wie eine Vereinheitlichung der Regeln ist eine liberale Anerkennungspraxis, die auf kleinteilige Überprüfungen verzichtet“, sagt Dr. Volker Meyer-Guckel, stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbandes: „Es darf nicht darum gehen, um jeden Preis die Unterschiede in den einzelnen Ausbildungssystemen zu finden, sondern einzig und allein um die Frage: Was kann ein angehender Lehrer und welche Kompetenzen bringt er mit? Hier müssen nicht nur die Länder, sondern auch die Hochschulen und Studienseminare deutlich flexibler werden.“ Bei der länderübergreifenden gegenseitigen Anerkennung von Studienleistungen sollten daher nicht kleinteilig  einzelne Module im Hinblick auf inhaltliche Vergleichbarkeit überprüft werden – es kommt auf die erworbenen Kompetenzen, nicht auf den Input an.

Prof. Dr. Frank Ziegele: „Es ist überfällig und im Interesse aller, dass endlich vernünftige Übergangsregelungen vereinbart werden. Entscheidend wird sein, dass sinnvolle Ansätze von allen Beteiligten gewollt, mitgetragen und auch umgesetzt werden."

Printexemplare können angefordert werden bei Barbara Grüwaz (barbara.gruewaz@che.de).

17. December 2012

Inklusion und Heterogenität – Jede fünfte Hochschule bereitet Lehramtsstudierende explizit auf diese Herausforderungen vor.

Die Ergebnisse von IGLU und TIMSS zeigen die große Herausforderung für die Lehrerbildung: Inklusion und die vielgestaltige Schülerschaft. Etwa ein Fünftel der Hochschulen in Deutschland haben „Inklusion“ und „Heterogenität“ zum verpflichtenden und im Zeugnis ausgewiesenen Schwerpunkt der Lehrerbildung gemacht. D.h. angehende Lehrerinnen und Lehrer werden dort intensiv darauf vorbereitet, auf Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen und vielfältigen sozialen Hintergründen einzugehen. Je nach Lehramtstyp zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede. Dies belegt der Monitor Lehrerbildung, der umfassende Vergleichsdaten über die Lehrerbildung in Deutschland bereitstellt.

Beinahe täglich gibt es Meldungen zu den Schulen in Deutschland: Laut IGLU und TIMSS schneiden Grundschülerinnen und Grundschüler in Deutschland im weltweiten Vergleich aktuell gut ab. Trotzdem hinke jedes fünfte Kind bei den Leistungen im Lesen und Mathematik zu stark hinterher. Ein zudem immer wieder in Studien gefundenes Fazit: Bildungschancen sind stark abhängig vom Elternhaus und die Schülerschaft wird vielfältiger. Auf die aufgeworfenen Fragen muss die Lehrerbildung Antworten finden: Inklusion und der Umgang mit Heterogenität müssen bereits Gegenstand des Studiums werden, um Lehrerinnen und Lehrer auf die gestiegenen und veränderten Anforderungen vorzubereiten.

Schnell wird in der öffentlichen Debatte den Hochschulen Untätigkeit vorgeworfen, aber ist dies gerechtfertigt? Um solche Fragen klären zu können, haben die Bertelsmann Stiftung, das CHE Centrum für Hochschulentwicklung, die Deutsche Telekom Stiftung und der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft den Monitor Lehrerbildung ins Leben gerufen, eine umfassende Sammlung von Daten und Fakten zur Lehrerbildung. Dort zeigt sich: In jeweils etwa einem Fünftel der befragten Hochschulen existieren die Themen „Inklusion“ und „Heterogenität“ als verpflichtende Studienschwerpunkte und werden als solche explizit im Zeugnis als spezielle Qualifikation ausgewiesen. „Diese Hochschulen leisten Pionierarbeit, die Einbeziehung dieser Inhalte ist aber noch deutlich ausbaufähig“, sagt Melanie Rischke, Projektleiterin für den Monitor beim CHE.

Um an einer bestimmten Schulform arbeiten zu können, müssen sich die Studierenden für einen der so genannten „Lehramtstypen“ entscheiden – je nachdem, ob sie Grundschülerinnen und Grundschüler oder Abiturientinnen und Abiturienten unterrichten werden. Für jede Schulform und die dortigen spezifischen Herausforderungen benötigen die angehenden Lehrerinnen und Lehrer das passende Rüstzeug. Die Daten im Monitor Lehrerbildung zeigen: Im Vergleich der Lehramtstypen treten deutliche Unterschiede zu Tage. Bei den sonderpädagogischen Lehrämtern ist das Gewicht der Inklusion erwartungsgemäß hoch, bei den Lehrämtern der Grundschule bzw. Primarstufe ist nur an 14 Prozent der Hochschulen, die für diesen Typen ausbilden und die auf die Frage antworteten, Inklusion ein verpflichtender Schwerpunkt, der auf dem Abschlusszeugnis ausgewiesen wird. Bei den Lehrämtern für die Sekundarstufe II (allgemeinbildende Fächer) oder für das Gymnasium sind es 7 Prozent der Hochschulen. Nicht in allen Ausbildungsgängen ist demnach die Inklusion als Thema gleichermaßen angekommen.

08. November 2012

Orientierung: Wie funktioniert der Monitor Lehrerbildung?

Wie ist das Lehramtsstudium in Deutschland organisiert? Welche landesweiten Regelungen gibt es? Inwiefern unterscheiden sich die Lehramtsstudiengänge an den einzelnen Hochschulen? Oder aber auch: Sind die Studiengänge, die für die einzelnen Schulformen ausbilden, an einer Hochschule gleich konzipiert oder gibt es auch hier Differenzen?

Der Monitor Lehrerbildung bietet strukturiert und übersichtlich vergleichende Daten zu diesen und weiteren Fragen. Damit die Heterogenität der Lehrerbildung handhabbar gemacht wird, strukturiert diese Website die vorliegenden Daten in mehreren Zugängen. So sollen möglichst viele Interessen bedient und Einstiege in dieses komplexe Thema geboten werden.

Die einzelnen Zugänge zu den Daten:

Themen

Um die erste Phase der Lehrerbildung, das Lehramtsstudium, beschreiben zu können, wurden neun Themen identifiziert. Für jede der neun thematischen Fragen werden Merkmale über alle Länder und Hochschulen eines Landes hinweg dargestellt.

Länder

Bei diesem Einstieg steht die Lehrerbildung innerhalb eines Landes im Fokus. Hier kann ein Land ausgewählt werden und für dieses werden bis zu 36 Merkmale zu allen neun Themen aufgeführt.

Hochschulen

Für jede der 63 Hochschulen, die an der Befragung teilgenommen haben, findet sich eine Zusammenstellung von bis zu 49 Merk malen zu den neun Themen.

Lehramtstypen

In den Ländern gibt es unterschiedliche Schulformen. Um in einer bestimmten Schulform unterrichten zu können, muss ein Studium absolviert werden, dass dem entsprechenden Lehramtstypen zugeordnet wird. Für einen schnellen Überblick über die grundlegenden Unterschiede zwischen den Lehramtstypen finden sich hier die spezifischen Merkmale.

08. November 2012

Ergebnisse: Was bietet der Monitor Lehrerbildung?

Der Monitor Lehrerbildung erlaubt unterschiedliche Herangehensweisen - so kann die Lehrerbildung innerhalb eines Landes oder einer Hochschule betrachtet werden - oder aber es können Übersichten entlang der neun Themen gewonnen werden.

Für einen ersten Überblick, welche Erkenntnisse der Monitor Lehrerbildung bieten kann, hier beispielhaft die Ergebnisse zu einem Thema.

Landesebene:

Generell versuchen in Deutschland 14 Länder, Studienberechtigte durch gezieltes landesweites Marketing für ein Lehramtsstudium zu rekrutieren. Vier Länder betreiben landesweit allgemein Werbung für ein Lehramtsstudium, neun Länder haben zusätzlich zu einer allgemeinen Werbung für das Lehramtsstudium auch Maßnahmen für das Studium der MINT-Fächer initiiert. Ein Land wirbt nur die Aufnahme von MINT-Fächern, nicht allgemein für das Lehramtsstudium. Zwei Länder verzichten auf entsprechende Maßnahmen.

Hochschulebene:

Rekrutierungsmaßnahmen finden nicht nur auf der Ebene der Länder, sondern auch auf Hochschulebene statt: 55% der 63 Hochschulen, die an der Befragung teilnahmen, haben Rekrutierungsmaßnahmen, um Studierwillige für das Lehramtsstudium zu interessieren. Ein Drittel der Hochschulen bieten spezielle Maßnahmen zur Rekrutierung bislang unterrepräsentierter „Zielgruppen“, wie beispielsweise Studienanfänger mit Migrationshintergrund. Von den Hochschulen, die MINT-Fächer anbieten und die auf die Frage antworteten, gaben73 Prozent an, besondere Projekte/Kampagnen zur Aufnahme eines Lehramtsstudiums in MINT-Fächern initiiert zu haben.

Bei den Staatsexamens-Studiengängen ist laut Aussage der Hochschulen die Zahl der verpflichteten Eignungstests höher als bei den Bachelorstudiengängen (für alle Fächer/Lehramtstypen 18,5 vs. 4,8 % und bei einigen Fächern/Lehramtstypen 37 vs. 31%). Beratungsgespräche vor Studienbeginn sind nur an drei Hochschulen verpflichtend.

Über 72% der Hochschulen, die auf diese Frage geantwortet haben, bieten Beratungsangebote für Lehramtsstudierende zu Karrieremöglichkeiten außerhalb der allgemeinen Schulen.