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Monitor Lehrerbildung

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Berufsschule

Interview mit Dr. Susanne Eisenmann, Präsidentin der Kultusministerkonferenz

Dr. Susanne Eisenmann ist Kultusministerin in Baden-Württemberg und amtierende Präsidentin der Kultusministerkonferenz. Für das Jahr ihrer Präsidentschaft 2017 wählte sie als Schwerpunktthema die berufliche Bildung.

 

Frau Eisenmann, Sie haben für das Jahr Ihrer Präsidentschaft der Kultusministerkonferenz das Thema »Berufliche Bildung« als Schwerpunktthema gewählt. Warum?

Die berufliche Bildung genießt in Deutschland ein hohes Ansehen. Gründe hierfür sind die vergleichsweise geringe Jugendarbeitslosigkeit und die anerkannt hohe Kompetenz beruflich qualifizierter Menschen, die die Grundlage unserer Wirtschaftskraft und Dienstleistungsstärke ist. Die berufliche Bildung leistet also einen beträchtlichen Beitrag zur Stabilität von Sozial- und Wirtschaftsstruktur. Auch deshalb hat Baden-Württemberg in Abstimmung mit den anderen Ländern das Thema »Berufliche Bildung« für das Präsidentschaftsjahr 2017 gewählt.

Auf die berufliche Bildung warten große Herausforderungen, die die Länder gemeinsam angehen wollen. Ein Thema ist die Integration zugewanderter junger Menschen, ein anderes die fortschreitende Digitalisierung, deren Potenziale möglichst rasch erschlossen werden sollen. Darüber hinaus führt die Digitalisierung auch zu neuen Anforderungsprofilen an die Lehrerinnen und Lehrer, und sie wird künftig den Schulalltag entscheidend prägen. Auch der anhaltende Trend zur Akademisierung erfordert weitere Anstrengungen, um die duale Berufsausbildung als attraktive und zukunftsfähige Alternative zum Studium im Blick der jungen Erwachsenen zu erhalten. Es ist unser erklärtes Ziel, dass die berufliche Bildung gesellschaftlich und individuell als absolut gleichwertig mit der akademischen Bildung wahrgenommen wird. Sie ist ein breiter Königsweg und keineswegs zweite Wahl.

Worin sehen Sie im beruflichen Lehramt die Gründe für den bundesweiten Lehrermangel in den gewerblich-technischen Fächern?

Gerade beim beruflichen Lehramt und besonders ausgeprägt bei den gewerblich-technischen Fachrichtungen stehen die Länder im Wettbewerb mit anderen Arbeitgebern, insbesondere aus der Wirtschaft.

Darüber hinaus spielen Berufsimage, Arbeitsbelastung, Karrierewege, Besoldungssysteme und Gesundheitsmanagement für die Motivation, den Lehrerberuf zu ergreifen und die Lehrerrolle professionell auszugestalten, eine erhebliche Rolle. Die Attraktivität eines Berufs kann man also nicht einfach »machen« oder »gestalten«. Sie hängt maßgeblich von den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ab. Sie ist also eine Aufgabe für alle.

Wie könnten Ihrer Ansicht nach Maßnahmen aussehen, um für das berufliche Lehramt den bundesweiten Lehrermangel in den gewerblich-technischen Fachrichtungen zu beheben?

Speziell für das berufliche Lehramt wurde die Erstausbildung an den Hochschulen flexibilisiert, um künftig noch mehr Studieninteressierte für diesen Bereich zu gewinnen. Darüber hinaus könnte das Interesse junger Menschen bei allen Maßnahmen der Berufs- und Studienorientierung noch stärker auch auf das berufliche Lehramt vor allem im gewerblich-technischen Bereich gerichtet werden. Hier wird es auch zukünftig sehr gute Einstiegsmöglichkeiten geben.

Die Länder sind aktuell bemüht, den gegenwärtigen Bedarf an Lehrkräften auch durch Öffnung von Sondereinstiegswegen zu decken, in denen Hochschulabsolventen z.B. berufsbegleitend (aber mit vollem Gehalt und reduzierter Stundenzahlverpflichtung) die Voraussetzungen für den Erwerb der Lehramtsqualifikation erlangen.

Hat das Lehramt für die beruflichen Schulen, speziell in den gewerblich-technischen Fachrichtungen, ein Imageproblem?

Nein. Die berufliche Bildung in Deutschland genießt national wie auch international nach wie vor hohe Anerkennung. Die Länder und Schulträger engagieren sich in Zusammenarbeit mit den Kammern und Verbänden für eine hohe fachliche und pädagogische Qualität des Unterrichts sowie der betrieblichen Ausbildung; sie investieren auch mit Blick auf die Anforderungen der Digitalisierung in moderne technische Ausstattungen der Schulen. Attraktive Arbeitsbedingungen in diesen Bereichen sind geeignet, junge Menschen auch künftig für eine Lehrtätigkeit an beruflichen Schulen zu gewinnen. Das muss noch besser bekannt werden.