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Monitor Lehrerbildung

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Mobilität

Was wissen wir über die derzeitige Mobilität?

Generell ist die Datenlage zum Thema Mobilität in der Lehrerbildung als eher dürftig zu bezeichnen. Es liegen kaum aussagekräftige empirische Ergebnisse vor, insofern muss auch die Interpretation der Daten zurückhaltend betrieben werden.

Die 19. Sozialerhebung (erhoben 2009) zeigt, dass sich die Mobilität der Studierenden im Lehramtsstudium erstaunlicherweise nur minimal unterscheidet von der Mobilität der Vergleichsgruppe (= alle Studierenden im Erststudium): 15 % der Lehramtsstudierenden haben während des Studiums ihre Hochschule mindestens einmal gewechselt; 7 % wechselten die Hochschule unter Beibehaltung ihres angestrebten Abschlusses (Vergleichsgruppe: 14 bzw. ebenfalls 7 %). Unter den Studierenden im Lehramtsstudium setzten 8 % nach dem Wechsel der Hochschule ihr Studium in einem anderen Bundesland fort (Vergleichsgruppe: 7 %).1

In Bezug auf die Wanderungsbewegungen der Lehramtsabsolventinnen und Lehramtsabsolventen zeigt sich ein sehr heterogenes Bild. Die Erhebung aus dem Monitor Lehrerbildung macht deutlich, dass – bezogen auf die zehn Länder, zu denen entsprechende Angaben vorliegen – im Schuljahr 2010/2011 4.278 von 21.147 Lehramtsabsolventinnen und Lehramtsabsolventen, also ungefähr ein Fünftel, zum Vorbereitungsdienst in ein anderes Bundesland gewechselt sind. Nur äußerst selten stammten die Lehramtsabsolventinnen und Lehramtsabsolventen, die in eines dieser zehn Länder wechselten, nicht aus einem benachbarten Land (für Details siehe Tabelle Wanderungsbewegungen). Fünf von 12 Ländern gaben Niedersachsen als eines der drei Hauptherkunftsländer an, wohingegen Bayern und das Saarland kein einziges Mal genannt wurden. Leider liegen von vier Ländern keine Angaben vor.

Auffallend ist, dass in Sachsen-Anhalt (49,1 %) fast die Hälfte der Referendariatsanwärterinnen und Referendariatsanwärter aus einem anderen Bundesland kam und auch in Schleswig-Holstein (38,9 %), Hamburg (38,2 %) und Niedersachsen (35 %) der Anteil der Wechsler recht hoch ist. Baden-Württemberg (9,2 %) und Brandenburg (1,1 %) weisen dagegen einen eher geringen Anteil an Wechslern auf. Im Saarland wurden 2010/11 keine Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer ausgebildet; es kann davon ausgegangen werden, dass ein großer Teil der 34,5 % Wechsler angehende Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer waren. Wenige Länder, etwa Niedersachsen und Hessen, weisen eine hohe Mobilität in beide Richtungen auf. Es lässt sich festhalten, dass einerseits im Schnitt zum Vorbereitungsdienst eine deutlich höhere Mobilitätsbewegung stattfindet als während des Studiums, diese aber auffallend asymmetrisch verteilt ist. Diese Stromlenkung ist zum einen auf Bedarfe und im Zusammenhang mit diesen Bedarfen gesetzte Anreize (offene Stellen, lockende Verbeamtung der Lehrerinnen und Lehrer, bei allgemeinem oder fachspezifischem Lehrerbedarf Besoldungszuschläge für Mangelfächer und kulante Anerkennungspraxis) zurückzuführen, zum anderen aber auch – komplementär – auf zum Teil wenig »einladend« gestaltete Übergangsregelungen. Dabei hängen die politische Ebene (Lehrerbildungsgesetze sowie Regelungen der einzelnen Länder) und die pragmatische Ebene (z.B. Anerkennungspraxis der Hochschulen bzw. Länder) eng zusammen.

"Die Bereitschaft zur Anerkennung von Studienabschlüssen bei einer Bewerbung zum Vorbereitungsdienst in einem anderen Bundesland hängt nicht in erster Linie an der Studienstruktur. Sie ist vor allem interessensgesteuert und eine Frage des politischen Willens. Wenn wir in Niedersachsen junge Menschen in Physik oder Latein ausbilden, bekommen die auch in Bayern ohne Probleme einen Referendariatsplatz. In den Fächern Deutsch und Geschichte sieht das anders aus – das sind halt keine Mangelfächer."

Dr. Yoshiro Nakamura, geschäftsführender Leiter des Zentrums für Lehrerbildung der Universität Osnabrück
  1. Quelle: DSW/HIS-HF 19. Sozialerhebung; zitiert in:  Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Kai Gehring, Ekin Deligöz, Katja Dörner, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 17/9675 –, S. 5f.