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Monitor Lehrerbildung

© 2015 | Bertelsmann Stiftung, CHE Gemeinnütziges Centrum für Hochschulentwicklung, Deutsche Telekom Stiftung, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e.V.

Multiprofessionelle Teams

Empfehlungen für die Lehrerbildung

Um Lehramtsstudierende schon früh für multiprofessionelle Zusammenarbeit zu begeistern, sollte das Studium bei allen Studierenden die Haltung etablieren, dass es für bestimmte Bereiche und Prozesse Profis gibt, mit denen man zusammenarbeiten darf und sollte. Lehrkräfte müssen nicht selbst Profis für alle pädagogischen Probleme sein, die sich im Schulalltag zeigen. Sie können und sollen auf die entsprechende Expertise zurückgreifen. Obwohl für die Ausbildung von Handlungskompetenzen die zweite Phase der Lehrkräftebildung vorgesehen ist, ist es entscheidend, von Anfang an für möglichst viele Berührungspunkte zwischen den unterschiedlichen pädagogischen Fachrichtungen zu sorgen.

 

1. Gemeinsame Zielvorstellungen von Schule ressortübergreifend curricular verankern!

Eine institutionalisierte Abstimmung der Curricula in Hinblick auf das Berufsfeld Schule zwischen pädagogischen Studiengängen, auch gemeinsam mit den Fachhochschulen, die etwa Studiengänge der Sozialen Arbeit anbieten, schafft eine gemeinsame Basis für multiprofessionelle Kooperation. Es sollte also sowohl innerhalb der Hochschulen als auch in Vernetzung mit Fachhochschulen institutionalisierte Arbeitsformen zur Abstimmung inklusionsbezogener Studieninhalte geben, die den Auftrag und die übergreifenden Ziele von Schule im Kontext von Heterogenität und individueller Förderung aus unterschiedlichen professionellen Blickwinkeln thematisieren und zusammenführen.

 

"Im Rechtsanspruch auf Ganztagsbildung ab 2026 liegt eine große Chance – sofern die Qualität stimmt. Dafür brauchen wir gut ausgebildete Lehr- und Fachkräfte, die in Teams das einzelne Kind bestmöglich fördern. Zusammenarbeit gelingt aber nicht einfach so. Das Lehramtsstudium muss neben fachlichen Inhalten auch erste Erfahrungen in der multiprofessionellen Arbeit vermitteln."

Dr. Jörg Dräger,
Mitglied des Vorstandes der Bertelsmann Stiftung


2. Ausbildungs- und hochschulübergreifende kooperative Seminare und Praxisformate etablieren!

Lehrerbildende Hochschulstandorte, die mehrere pädagogische Studiengänge anbieten oder hierzu mit Fachhochschulen oder Fachschulen kooperieren könnten, sollten kooperative Seminarformate anbieten, in denen Lehramtsstudierende und Studierende anderer pädagogischer Fachrichtungen gemeinsam und im Team arbeiten. Solche Formate vermitteln Wissen und Kenntnisse über die Arbeitsbereiche und Kompetenzen anderer Berufsgruppen und bieten Räume zur Reflexion der eigenen Rolle im multiprofessionellen Team. All denjenigen Studierenden, die sich schon während ihres Studiums auf das Berufsfeld Schule hin professionalisieren möchten, sollten erfahrbare Querbezüge ermöglicht werden. Dies sicherzustellen, ist Aufgabe aller an der Studiengangsgestaltung beteiligter Akteure. Zusatzzertifikate oder Profilstudien etwa wären Möglichkeiten, um bereits während des Lehramtsstudiums multiprofessionelle Kooperation kennenzulernen. Die Hochschulen müssen die Rahmenbedingungen für eine fachbereichsübergreifende Zusammenarbeit sicherstellen und etwaige Hürden oder Unsicherheiten zum Beispiel hinsichtlich der Anrechnungsfähigkeit entsprechender Lehrdeputate abbauen.

 

"Es ist die Aufgabe der lehrerbildenden Hochschulen, dem angehenden pädagogischen Personal frühzeitig eine multiprofessionelle Kooperationskultur zu vermitteln. Dazu gehören unter anderem professionsübergreifende Projekte, in denen sich die Studierenden auf Augenhöhe begegnen und die Professionalität und Kompetenz des anderen anerkennen können. In Teams voneinander und miteinander lernen ist die Zukunft!"

Dr. Ekkehard Winter,
Geschäftsführer der Deutsche Telekom Stiftung

"Teamarbeit muss kontinuierlich eingeübt werden, vor allem bei der berufsübergreifenden Kooperation. Das gilt für die ersten Schritte im Studium genauso wie für das spätere Berufsleben. Nur so können sich die unterschiedlichen Professionen mit ihren jeweiligen Kompetenzen und Perspektiven auf das Kind ergänzen und als Team zusammenwachsen."

Dr. Dagmar Wolf,
Bereichsleiterin Bildung bei der Robert Bosch Stiftung


3. Bereits im Studium Verknüpfung von multiprofessionellen Team- und Schulentwicklungsprozessen ermöglichen!

Fragen und Prozesse der Schulentwicklung, also etwa Management- und Strategiefragen, sollten viel stärker als bisher zum Inhalt des Lehramtsstudiums gemacht werden, zumindest im Wahlbereich für diejenigen Studierenden, die sich in diesem Bereich profilieren möchten. Neben Wissen über strukturelle Bedingungen, die multiprofessionelle Kooperation in Schule ermöglichen, und Strategien, die zur zielführenden Gestaltung dieser beitragen, gehört hierzu auch Wissen über rechtliche Grundlagen von Kooperation, Wissen über die Aufgaben und rechtliche Verankerung der Kinder- und Jugendhilfe.

 

"Ich wünsche mir von angehenden Lehrkräften Veränderungsbereitschaft, sie müssen agil auf die Dinge schauen und Schule auch mal ganz neu denken. Das Personal an Schule muss sich als professionelle Lerngemeinschaft und Beratungsinstanz für das einzelne Kind verstehen."

Sabine Brieske,
Schulleiterin der Liebigschule, einem Gymnasium in Frankfurt am Main

"Auf den Punkt gebracht: Arbeiten im Team heißt studieren im Team. Ändert sich die Praxis, muss sich auch das Studium ändern."

Prof. Dr. Frank Ziegele,
Geschäftsführer des CHE Centrum für Hochschulentwicklung