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Monitor Lehrerbildung

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Multiprofessionelle Teams

Hintergrund

Welche Akteure und Berufsgruppen sind beteiligt?

Während Lehrkräfte in erster Linie Spezialist*innen für Lehr- und Lernprozesse sind, fungieren Sozialpädagog*innen und weiteres pädagogisches sowie therapeutisches Fachpersonal als Spezialist*innen für Entwicklungsprozesse im Kindes- und Jugendalter. Sie können wertvolle Expertise bei der ganzheitlichen Förderung von Kindern und Jugendlichen einbringen und dabei den gesamten Sozialraum mit einbeziehen. Sie übernehmen in der Schule beispielsweise Aufgaben der Präventionsarbeit, unterstützen bei der Persönlichkeitsentwicklung und Wertebildung, beraten und fördern bei Verhaltensauffälligkeiten oder sozialer Benachteiligung und übernehmen Aufgaben im Konfliktmanagement oder in der Sprachförderung. Vereine ermöglichen – etwa im Rahmen des Ganztags – spezialisierte Angebote und AGs. All diese Aufgabenbereiche gehören zum Erziehungsauftrag von Schule und können allein durch Lehrkräfte kaum abgedeckt werden.

 

Berufsgruppen im schulischen Alltag

Abb. 1: An Schule Beteiligte, eigene vereinfachte Darstellung

 

Warum ist die Zusammenarbeit dieser Akteure so wichtig?

Bestmögliche Förderung der Kinder und Jugendlichen setzt eine gemeinsame Verantwortungsübernahme für ihren Lernerfolg und einen ganzheitlichen Blick aus verschiedenen Perspektiven auf ihre Lern- und Entwicklungsprozesse voraus. Entscheidend ist daher, dass die beteiligten Akteure und Gruppen nicht aneinander vorbei oder sogar gegeneinander arbeiten, sondern schulischen, familiären und gesellschaftlichen Herausforderungen durch eine Bündelung komplementärer Kompetenzen adäquat begegnen. Nur bei einem guten Zusammenspiel aller Akteure, nur bei guter multiprofessioneller Kooperation1 profitieren die Schülerinnen und Schüler in vollem Maß von der Perspektivenvielfalt der beteiligten Professionen. Multiprofessionelle Kooperation ermöglicht langfristig Arbeitsentlastung durch Arbeitsteilung und eine Verbesserung der Qualität der schulischen Arbeit als Ganzes.

Ergebnisse aus der Schulleitungsbefragung des Monitor Lehrerbildung 2019

Im Rahmen des Monitor Lehrerbildung wurde im Sommer 2019 eine nicht repräsentative Befragung unter Schulleitungen der Bewerberschulen um den Deutschen Schulpreis und den Jakob Muth-Preis für Inklusive Schule durchgeführt. Die Schulleitungen wurden darin unter anderem zu ihren Einschätzungen zur Relevanz des Themas der multiprofessionellen Zusammenarbeit gefragt sowie nach ihren Einschätzungen des theoretischen Wissens, das Lehramtsanwärter*innen bei Antritt ihres Referendariates zu diesem Thema bereits aus dem Lehramtsstudium mitbringen.2

Die befragten Schulleitungen waren zu jeweils über 90% der Meinung, dass sowohl die Kooperation im Lehrkollegium als auch die multiprofessionelle Kooperation mit anderen (pädagogischen) Professionen und mit sonderpädagogischem Lehrpersonal die Kompetenzanforderungen an Lehrkräfte künftig erweitern. Sie bewerteten darüber hinaus zu 93% die Aussage als zutreffend, dass die multiprofessionelle Kooperation bereits früh in der Lehrkräftebildung thematisiert werden sollte. Das theoretische Wissen, das Lehramtsanwärter*innen bei Antritt ihres Referendariates über die Potenziale von Kooperation mit anderen (pädagogischen) Professionen bereits aus dem Studium mitbringen, wurde mehrheitlich als nicht gut bewertet. Erste Praxiserfahrungen zur Kooperation mit anderen (pädagogischen) Professionen oder mit sonderpädagogischem Lehrpersonal sind nach Einschätzung der befragten Schulleitungen bei Antritt des Referendariates eher nicht vorhanden.


Abb. 2: Wie schätzen Sie die Praxiserfahrungen ein, die Ihre Referendar*innen bei Antritt des Referendariates mitbringen? (N=59) Dargestellt sind die Angaben zu den Aussagen: »Referendar*innen verfügen bei Antritt ihres Referendariats über erste Praxiserfahrungen zur Kooperation mit sonderpädagogischem Lehrpersonal« und »Referendar*innen verfügen bei Antritt ihres Referendariats über erste Praxiserfahrungen zur Kooperation mit anderen (pädagogischen) Professionen“.

 

  1. Teilweise wird in der Forschungsliteratur auch der Begriff »interprofessionelle Kooperation« verwendet.
  2. Alle relevanten Daten aus dieser Befragung sind detailliert unter www.monitorlehrerbildung.de/publikationen/multiprofessionelleteams einsehbar.