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Monitor Lehrerbildung

© 2015 | Bertelsmann Stiftung, CHE Gemeinnütziges Centrum für Hochschulentwicklung, Deutsche Telekom Stiftung, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e.V.

Multiprofessionelle Teams

Vorwort

Schule – das war traditionell die Domäne der Lehrkräfte. Aber Schule ist längst mehr als Unterricht. Die Anforderungen an sie steigen, sie soll Lern- und Lebensort für die Kinder und Jugendlichen sein, sich nach außen und in die Gesellschaft öffnen, inklusiv arbeiten, sich zunehmend digitalisieren und möglichst jedes Kind individuell fördern. Zusätzlich ist die Schule ein wichtiger Sozialraum und bedeutender Bestandteil der kommunalen Bildungslandschaft.

Je mehr Schule althergebrachte Bahnen verlässt, je heterogener die Schülerschaft wird, je mehr unterschiedliche Professionen und auch außerschulische Kooperationspartner wie die Kinder- und Jugendhilfe oder Vereine im Rahmen des Ganztags in das Schulgeschehen eingebunden werden, desto wichtiger werden Kompetenzen zur Kooperation aller Beteiligten. Die Gestaltung von Schule als Lern- und Lebensort setzt zwingend den ganzheitlichen Blick auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen – nicht nur in ihrer Rolle als Schülerinnen und Schüler – voraus.

Gut gestaltete multiprofessionelle Teamarbeit ist damit eine zentrale Gelingensbedingung für eine Vielzahl bildungs- und schulpolitischer Herausforderungen, die ohne ein gutes Zusammenspiel zwischen Lehrkräften und weiteren pädagogischen und nicht - pädagogischen Berufsgruppen, die im Kontext Schule miteinander arbeiten, nicht bewältigt werden können. Dazu gehören beispielsweise Sozialpädagog*innen, Sozialarbeiter*innen, Psycholog*innen, Erzieher*innen oder Vertreter*innen von Vereinen.

Funktionierende Teamstrukturen, die unterschiedliche professionelle Perspektiven auf die Lern- und Entwicklungsprozesse von Kindern und Jugendlichen zu einem ganzheitlichen Ansatz bündeln, sind jedoch kein Selbstläufer, sondern ein komplexer Prozess, der erhebliches Reibungspotenzial aufweist. Neun von zehn Ganztagsschulen gaben in einer Umfrage im Rahmen der Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen (StEG) 2018 an, neben Lehrkräften auch anderes pädagogisches Personal einzusetzen; laut Daten der Kultusministerkonferenz hatten bundesweit im Schuljahr 2018/19 bereits 70 Prozent der Schulen Ganztagsangebote.1

Die multiprofessionelle (Ganztags-)Schule ist also bereits Realität – was erst einmal nichts aussagt über die Qualität der Zusammenarbeit. Studien legen nahe, dass Kooperation oftmals nicht als Chance wahrgenommen wird und häufig am fehlenden Wissen über die Kompetenzen der jeweils anderen Professionen scheitert. Häufig begegnen sich die unterschiedlichen Professionen erst am gemeinsamen Einsatzort Schule und wurden zuvor getrennt voneinander ausgebildet. Hier muss noch viel geschehen, wie zwei Befragungen des Monitor Lehrerbildung aus den Jahren 2019 und 2020 zeigen.

Der Rollenwandel vom Einzelkämpfer zum Teamplayer beginnt in den Köpfen, und für die innere Haltung wird mit dem ersten Ausbildungsabschnitt ein Grundstein gelegt. Mit dieser Broschüre möchten wir Anregungen geben, wie multiprofessionelle Kooperation bereits in der ersten Phase der Lehrerbildung, dem Lehramtsstudium, thematisiert und eingeübt werden kann. Wir wünschen eine anregende Lektüre!

 

Dr. Jörg Dräger
Mitglied des Vorstandes der Bertelsmann Stiftung

Dr. Volker Meyer-Guckel
Stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbandes

Dr. Ekkehard Winter
Geschäftsführer der Deutsche Telekom Stiftung

Dr. Dagmar Wolf
Bereichsleiterin Bildung der Robert Bosch Stiftung

Prof. Dr. Frank Ziegele
Geschäftsführer des CHE Centrum für Hochschulentwicklung

 

 

 

 

 

  1. Vgl. KMK (2020) über https://www.ganztagsschulen.org/de/38045.php und StEG (2019). Ganztagsschule 2017/18. Deskriptive Befunde einer bundesweiten Befragung. Frankfurt am Main, Dortmund, Gießen & München: DIPF, DJI, IFS, Justus-Liebig-Universität 2019.