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Monitor Lehrerbildung

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Qualitätsoffensive Lehrerbildung

Welche Schwerpunkte werden gesetzt?

Relevanz und Status quo aktueller Themen

Die Programmziele der Bund-Länder-Vereinbarung zur Förderung von Hochschulen mit Lehramtsstudiengängen sind inhaltlich umfassend angelegt. Daher adressieren auch die geförderten Projekte eine breite Themenpalette:

Die Übersicht zeigt zunächst Themen der Lehrerbildung, die nach Expertinnen- und Expertenmeinungen als besonders relevant angesehen werden können. Zusätzlich wird basierend auf den Daten des Monitor Lehrerbildung1 der aktuelle Stand der jeweiligen Themen dargestellt. In einem nächsten Schritt werden die geförderten Projekte den Themen zugeordnet und mögliche Schwerpunkte identifiziert.2 Eine weitere Übersicht gibt außerdem an, wie viele der 59 geförderten Hochschulen diese Themen in ihren Projekten aufgreifen.

 

1) Studieninhalte

Der  wichtige Themenkomplex der im Studium vermittelten Inhalte bezieht sich sowohl auf die Verzahnung der drei Säulen Fachwissenschaften, Fachdidaktiken und Bildungswissenschaften als auch auf die Verankerung von Inklusion und Heterogenität als übergreifende Studieninhalte sowie die Integration mediengestützter Lehr- und Lernformen. 

Stand gemäß Monitor Lehrerbildung

Nur zwei von insgesamt 47 Hochschulen, die eine gestufte Studienstruktur im Lehramt anbieten, bieten die meisten ihrer fachwissenschaftlichen Veranstaltungen speziell für Lehramtsstudierende im Masterstudiengang an.3 Nur an drei Hochschulen sind alle fachwissenschaftlichen Lehrveranstaltungen im Lehramtstyp 4 speziell für Lehramtsstudierende konzipiert. 15 Hochschulen gaben an, wenige solcher Veranstaltungen anzubieten.

2) Praxisbezug

Praxisphasen und eine adäquate Betreuung der Studierenden vor, während und nach diesen Phasen tragen wesentlich dazu bei, eine Verzahnung von Theorie und Praxis sicherzustellen. Die strukturierte Einbettung von Praxisphasen in die Curricula des Lehramtsstudiums ist daher unerlässlich, um einem späteren Praxisschock im Vorbereitungsdienst vorzubeugen und die Studierenden kompetent aus dem Studium zu entlassen.

Stand gemäß Monitor Lehrerbildung

Alle 16 Länder schreiben Praxisphasen als Teil des Lehramtsstudiums vor, neun Länder haben zudem ein Praxissemester eingeführt. An 57 Hochschulen bestehen Vor- und Nachbereitungsangebote zu den Praxisphasen, z.B. durch spezielle Seminare. 16 Hochschulen bieten die Möglichkeit zu einer regelmäßigen Supervision bzw. kollegialen Fallberatung.
3) Organisatorische Verankerung in der Hochschule

Eine nachhaltige Stärkung der Lehrerbildung setzt voraus, dass ihr innerhalb der Hochschule ein fester Platz gegeben und die Verantwortung für sie klar zugewiesen wird. Die Lehrerbildung ist in der Regel quer zu den Fachbereichen angesiedelt. Sie darf aber nicht nur mit den Fachwissenschaften  „mitlaufen“. Gleichermaßen ist es wichtig, dass die Hochschulleitung in Entwicklungsprozesse im Bereich der Lehrerbildung eingebunden ist.

Stand gemäß Monitor Lehrerbildung

60 Hochschulen verorten die Lehrerbildung im Verantwortungsbereich der Hochschulleitung, nur sieben sehen von einer solchen Zuordnung ab.

An allen lehrerbildenden Hochschulen existieren mittlerweile Zentren für Lehrerbildung/Schools of Education bzw. vergleichbare Einrichtungen oder befinden sich im Aufbau.

In 15 Ländern ist die Einrichtung solcher Zentren per Landesvorgabe geregelt.
4) Forschungs- und Nachwuchsförderung

Die Stärkung der Forschungsorientierung in der Lehrerbildung ist ein wesentlicher Ansatz, um die Lehrerbildung innerhalb der Hochschule anschlussfähig und zu einem attraktiven Teil des Wissenschaftsstandortes zu machen. Außerdem wird bundesweit fehlender wissenschaftlicher Nachwuchs in der Lehrerbildung bemängelt, speziell in der Fachdidaktik.

Stand gemäß Monitor Lehrerbildung

In sieben Ländern gibt es Initiativen zur besonderen Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in den Fachdidaktiken.4

5) Kohärenz und Verzahnung der Phasen

Die Verzahnung der einzelnen Phasen, insbesondere die sinnvolle Vernetzung der ersten und zweiten Phase als Teil der Ausbildung von Lehrkräften, ist unerlässlich für eine erfolgreiche und ganzheitliche Lehrerbildung. Die Umsetzung strukturierter Kooperationsaktivitäten zwischen den Hochschulen und den Studienseminaren, an denen die zweite Phase angesiedelt ist, muss daher verstärkt in den Blick genommen werden.

Stand gemäß Monitor Lehrerbildung

66 von 67 Hochschulen nutzen Instrumente bzw. Verfahren zur Kooperation zwischen der ersten und zweiten Phase.

28 Hochschulen verfügen über schriftlich fixierte Kooperationsvereinbarungen und sonstige Instrumente der Kooperation.
6) Ein- und Umstiegsmöglichkeiten

Strategische Rekrutierung und studienbegleitende Eignungsabklärung sind wichtige Maßnahmen, um geeignete Kandidatinnen und Kandidaten für das Lehramtsstudium zu gewinnen und strukturellen Nachwuchsmangel zu vermeiden. Auch können durch entsprechende Maßnahmen die Abbrecherquoten reduziert werden

Stand gemäß Monitor Lehrerbildung:

Hochschulen haben in den letzten Jahren verstärkt die Rekrutierung und berufsbiographische Beratung von (angehenden) Lehramtsstudierenden in den Blick genommen und Initiativen entwickelt, um diese zu fördern: 55 Hochschulen bieten spezielle Rekrutierungsprogramme für das Lehramtsstudium an. Neun Hochschulen haben verpflichtende Eignungstests in allen Fächern und Lehramtstypen.
7) Internationalisierung

Auslandserfahrung, entweder in Form von Semesteraufenthalten oder Praktika, dient nicht nur der Verbesserung der Fremdsprachenkenntnisse, sondern vor allem der persönlichen Entwicklung und der Ausprägung wichtiger Soft Skills.

Stand gemäß Monitor Lehrerbildung

An 65 von 67 Hochschulen ist es möglich, Studienleistungen, die im Rahmen eines Auslandssemesters erworben wurden, anerkennen zu lassen.

Praktika, die im Ausland absolviert wurden, erkennen 50 Hochschulen an.

Nur an wenigen Hochschulen gibt es strukturierte Zeitfenster für Auslandsaufenthalte.

Einschätzungen von Expertinnen und Experten

"Etwa die Hälfte aller Hochschulen, an denen zukünftige Lehrkräfte aller Schulformen und Schulstufen studieren, wird durch die Qualitätsoffensive Lehrerbildung gefördert. Hierdurch wird eine große Breitenwirkung erzielt, deren Ausstrahlung auf die anderen Hochschulen absehbar ist. Denn Wissenschaft lebt vom Austausch, sei er institutionell oder individuell."

Prof. Dr. Holger Burckhart, Hochschulrektorenkonferenz

"Ein Wettbewerb wie die Qualitätsoffensive Lehrerbildung ist durch und durch eine gute Sache. Wenn Geld mit Gießkannen verteilt wird, versackt es ohne Nachhaltigkeit. Wettbewerb führt in der Regel dazu, dass ein Projekt von Anfang an mit Evaluationskriterien unterlegt wird. Wer das Geld annimmt, weiß, auf welche Ziele er hinarbeitet."

Prof. Dr. Holger Horz, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt

"Durch einen Wettbewerb motiviert man Hochschulen und vor allem auch die Hochschulleitungen, sich wirklich anzustrengen, gute Konzepte zu entwickeln bzw. deren Entwicklung aktiv voranzubringen. Die Alternative wäre ja, dass Mittel einfach so fließen und da besteht immer die Gefahr, dass sie nicht strukturiert eingesetzt werden."

Prof. Dr. Sabine Doff, Universität Bremen

"Durch die Offenheit der Ausschreibung haben wir jetzt einen Blumenstrauß verschiedenster Themen. Ein weniger klientenorientierter und eher themenorientierter Wettbewerb wäre wünschenswert gewesen. Man hat oft das Gefühl, dass solche Wettbewerbe bestimmte Zielgruppen abhandeln, aber dass es weniger um Themen geht."

Prof. Dr. Kämper-van den Boogaart, Humboldt-Universität zu Berlin

"Es ist wichtig, dass nicht geförderte Hochschulen von den Modellen und Konzepten, die durch die Qualitätsoffensive Lehrerbildung an den geförderten Hochschulen entstehen, auch profitieren. Diese Modelle müssen also übertragbar sein und man sollte die Lehrerbildung als Ganzes im Blick haben, nicht nur den Erfolg der eigenen Hochschule. Die Herausforderungen an den einzelnen Hochschulen sind ja bekanntlich erstaunlich ähnlich."

Prof. Dr. Dorit Bosse, Universität Kassel

Abdeckung der Themen in Ausschreibung und Projektbeschreibungen

1) Studieninhalte

 

Ausschreibung: Die Qualitätsoffensive Lehrerbildung nennt als besonders förderwürdige Projekte solche mit Ansätzen, die die Zusammenarbeit und die inhaltliche Kohärenz zwischen Fachwissenschaften, Fachdidaktiken, Bildungswissenschaften und Praxisanteilen verbessern.5 Ebenso stellt die nachhaltige Fortentwicklung der Lehrerbildung mit Blick auf Inklusion und den Umgang mit Heterogenität ein Programmziel dar.

Umsetzung: Nahezu alle Hochschulen, nämlich 58 von 59 geförderten, adressieren in ihren Projekten Inhalte des Lehramtsstudiums. Die inhaltliche Verankerung von Inklusion bzw. Heterogenität im Lehramtsstudium ist bei 51 Hochschulen Thema der Projekte, was einem Anteil von über 80% entspricht. Davon legen sechs den Umgang mit Inklusion bzw. Heterogenität sogar als Schwerpunkt fest, so zum Beispiel die Technische Universität Dortmund oder die Universität zu Köln. 41 Hochschulen, also mehr als zwei Drittel, haben sich zum Ziel gesetzt, die inhaltliche Verzahnung der Studieninhalte zu verbessern. Weniger stark vertreten ist das Thema Digitalisierung bzw. die Förderung mediengestützten Lernens (neun Hochschulen), auch wenn dies laut Expertinnen und Experten ein großes Desiderat in der Lehrerbildung darstellt. Im Bereich Digitalisierung und der Etablierung mediengestützten Lernens, wie etwa Blended Learning, setzen lediglich die Universität Frankfurt und die Technische Universität Kaiserslautern einen klaren Schwerpunkt ihres Gesamtprojektes.

"Dass so viele Hochschulen das Thema Inklusion in ihren Anträgen so stark herausgestellt haben, halte ich für wenig überraschend. Das Thema war in der Ausschreibung klar als Desiderat zu erkennen und ich bin mir unsicher, welche Chancen Anträge gehabt hätten, die dieses Thema nicht aufgegriffen hätten. Insbesondere für Hochschulen in Ländern, die das inklusive Schulsystem noch nicht flächendeckend umgesetzt haben, sind die Mittel der Qualitätsoffensive wichtig, um da nachzusteuern."

Prof. Dr. Sabine Doff, Universität Bremen

"Das Thema Inklusion wird inhaltlich gut durch die Projekte aufgegriffen. Anders sieht es beim Thema Digitalisierung aus. Hier scheint mir keine besondere Schwerpunktsetzung erfolgt zu sein, obwohl dieses Thema in der Breite immer noch massiv unterforscht und mangelhaft mit Veranstaltungen unterlegt ist. In diesem Bereich fehlt noch sehr viel, um die deutsche Lehrerbildung international anschlussfähig zu machen."

Prof. Dr. Holger Horz, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt

 

2) Praxisbezug

Ausschreibung: Die Verbesserung des Praxisbezugs in der Lehrerbildung ist ein ausgewiesenes Programmziel der Qualitätsoffensive Lehrerbildung.6 Im Mittelpunkt steht hier in der Regel die bessere Verzahnung von Theorie und Praxis, so dass die Studieninhalte nicht nur theoretisches Wissen bleiben, sondern ihre Relevanz für den Schulalltag und praktisches Lehrerhandeln erkannt werden kann.

Umsetzung: Insgesamt 51 Hochschulen greifen das Thema Praxisbezug in ihren Projekten auf. Ein Fokus liegt auf der Etablierung von verbesserten Lerngelegenheiten, etwa Lehr-Lern-Laboren, in denen Lehramtsstudierende Handlungskompetenzen für die spätere Unterrichtspraxis entwickeln können. 22 Hochschulen nennen dies als Thema ihrer Projekte, die Universitäten Mainz und die Freie Universität Berlin setzen einen Schwerpunkt in diesem Bereich. 18 geförderte Hochschulen setzen bei der Betreuung der Studierenden während der Praxisphasen an und bauen etwa Mentoring-Programme mit Schulpraktikerinnen und Schulpraktikern auf. Die gezielte Weiterentwicklung des Praxissemesters bzw. der Praxisphasen, etwa im Hinblick auf die Internationalisierung oder einer verbesserten Einbindung von Schulpraktikerinnen und Schulpraktikern in das Betreuungsangebot, fokussieren nur vier Hochschulen. 

"Gelingender Praxisbezug im Studium ist an zwei Voraussetzungen gebunden, nämlich an die intensive Betreuung der Studierenden in den Praxisphasen "vor Ort" und an die sorgfältige Einbettung der Praxisphasen in das Studium. Im Rahmen der Qualitätsoffensive streben vor allem die Projekte zum Umgang mit Heterogenität an, zur Verbesserung des Praxisbezugs die Diagnosekompetenz der Studierenden zu stärken. Diese Absicht wird vielerorts durch durchaus innovative Formen der Analyse von Unterrichts-Filmsequenzen ergänzt."

PD Dr. Karin Kleinespel, Friedrich-Schiller-Universität Jena

 

 

3) Organisatorische Verankerung in der Hochschule

Ausschreibung: Die als förderwürdig identifizierten möglichen Schwerpunkte der Qualitätsoffensive Lehrerbildung beziehen auch die Sichtbarkeit der Lehrerbildung innerhalb der Hochschule ein. So wurden insbesondere Projekte, die effizientere Strukturen der Lehrerbildung so in den Hochschulen verankern, dass sie als profilgebendes Element der gesamten Hochschulen wirken, als besonders förderwürdig eingestuft.7

Umsetzung: 49 Hochschulen widmen sich in ihren Projekten der organisatorischen Verankerung der Lehrerbildung in der Hochschule. 30 geben in ihren Projektbeschreibungen an, die Sichtbarkeit der Lehrerbildung innerhalb der Hochschule durch die Projektmaßnahmen erhöhen zu wollen. 13 davon streben dies durch einen gezielten Ausbau der Organisationsstrukturen der Lehrerbildung an, etwa durch den Aufbau bzw. Ausbau von Zentren für Lehrerbildung bzw. Schools of Education, beispielsweise die Technische Universität Braunschweig. Die Mehrzahl der geförderten Projekte in Baden-Württemberg widmet sich dem Aufbau übergreifender Organisationsstrukturen zwischen Universitäten und Pädagogischen Hochschulen, wie das Verbundprojekt der Universität Heidelberg mit der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. 22 Hochschulen bauen im Rahmen der Qualitätsoffensive Lehrerbildung weitere Strukturen bzw. Institutionen auf, wie z.B. Schulnetzwerke, Lehr-Lern-Labore, Beratungszentren oder Lehr-Forschungs-Netzwerke. Eine gezielte Einbindung der Hochschulleitung erwähnen acht Hochschulen als Maßnahme zur Verantwortungsübernahme der Hochschule für die Lehrerbildung. 

"Die Lehrerbildung muss insgesamt an den Hochschulen sichtbarer gemacht werden. Es ist wichtig, dass die Hochschulen der Lehrerbildung zeigen, dass sie in der Hochschule in dem Maße eine Rolle spielt, wie auch die Lehramtsstudierenden Teil der gesamten Studierendenschaft sind. Die Lehrerbildung braucht Rückendeckung von den Hochschulleitungen."

Prof. Dr. Dorit Bosse, Universität Kassel

 

 

4) Forschungs- und Nachwuchsförderung

Ausschreibung: Der Ausbau der Forschungsorientierung innerhalb der Lehrerbildung ist ebenfalls Gegenstand der Ausschreibung der Qualitätsoffensive Lehrerbildung. Diese Forderung bezieht sowohl eine generelle Forschungsorientierung als auch eine die Maßnahmen begleitende Forschung ein. 

Umsetzung: Insgesamt 47 der 59 geförderten Hochschulen erwähnen die Forschungs- und Nachwuchsförderung als Thema in ihrem jeweiligen Projekt. 31 Hochschulen nennen die Stärkung der Forschungsorientierung in der Lehrerbildung als ein Projektziel, 16 Hochschulen richten mit Mitteln der Qualitätsoffensive eigene Forschungskollegs bzw. Doktorandenprogramme für die Lehrerbildung ein. Neun Hochschulen beabsichtigen die gezielte Forschungsförderung in der Fachdidaktik, etwa durch die Einrichtung neuer Professuren.

"Die Stärkung der Forschung ist neben Inklusion und Internationalisierung eines der aktuell relevantesten Themen in der Lehrerbildung. Dabei muss es sowohl um eine Intensivierung der Forschung in den Fachdidaktiken, aber auch um die berufsfeldbezogene Forschung gehen. Wir sehen in der Liste der geförderten Hochschulen, dass sie die Notwendigkeit der Fokussierung auf dieses Themenfeld erkannt haben."

Prof. Dr. Holger Burckhart, Hochschulrektorenkonferenz

"Durch die Intensivierung der lehrerbildungsbezogenen Forschung bietet sich an einigen Standorten sogar die Möglichkeit, diese Forschung in Teilen in die Exzellenzinitiative einzubringen. Zumindest tragen die Qualitätsoffensive und die dadurch erhaltenen Fördermittel für die Lehrerbildung entscheidend dazu bei, dass man der Lehrerbildung innerhalb der Hochschule viel mehr zutraut. Insbesondere die fachdidaktische Forschung, die ja immer noch recht stiefmütterlich behandelt wird, wird durch die Qualitätsoffensive klar in Richtung empirische Sozialforschung befördert und das kann man nur begrüßen."

Prof. Dr. Holger Horz, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt

 

 

5) Kohärenz und Verzahnung der Phasen

Ausschreibung: In der Qualitätsoffensive Lehrerbildung stellen existierende Kooperationsvereinbarungen zwischen der ersten und zweiten Phase unter anderem ein Kriterium dar, nach dem die Gutachterinnen und Gutachter über die Auswahl der zu fördernden Projekte entschieden haben.8 Auch in den Vorschlägen für mögliche Schwerpunktsetzungen in der Ausschreibung wurde die stärkere Verzahnung aller Phasen der Lehrerbildung als Ziel betont.

Umsetzung: Eine Absichtserklärung zum Einbezug aller Phasen der Lehrerbildung findet sich in den Projektbeschreibungen von 47 geförderten Hochschulen. Allerdings bleibt häufig offen, wie die beabsichtigen Kooperationsaktivitäten konkret aussehen sollen. 17 Hochschulen geben an, die dritte Phase der Lehrerbildung in ihrem Projekt zu berücksichtigen, indem etwa Forschungserkenntnisse der Lehrerbildungsforschung genutzt werden, um das Weiterbildungsangebot der Hochschule auszubauen. 13 Hochschulen geben an, Schulnetzwerke ausbauen zu wollen; neun Hochschulen beabsichtigen die direkte Einbeziehung der Studienseminare in die erste Phase der Lehrerbildung.


Insgesamt ist der Themenkomplex der phasenübergreifenden Kohärenz im Vergleich zu anderen Themen in den öffentlich zugänglichen Begleitdokumenten zu den einzelnen Projekten recht intransparent und die beschriebenen Maßnahmen sind wenig konkret. Die meisten Maßnahmen im Rahmen der Qualitätsoffensive Lehrerbildung beziehen sich auf den Lernort Hochschule und greifen insbesondere die Kooperation mit der zweiten Phase kaum auf

"Ich denke, im Bereich Kohärenz zwischen den einzelnen Phasen ist noch viel Luft nach oben. Es ist wichtig, dass die drei Phasen nicht nur zusammen arbeiten, sondern auch zusammen forschen. Dafür müsste dann auch die zweite Phase mit entsprechenden Ressourcen ausgestattet werden. In den Gutachterkriterien war eine Frage, ob es Kooperationsverträge zwischen erster und zweiter Phase gibt, aber viel wichtiger finde ich, dass hierfür auch konkret Mittel beantragt werden und nicht nur eine Absichtserklärung besteht. Daran würde ich die Ernsthaftigkeit der Kooperation zwischen den Phasen messen. Papier ist geduldig und ob die Existenz von Kooperationsverträgen hier das richtige Kriterium ist, bezweifle ich."

Prof. Dr. Dorit Bosse, Universität Kassel

"Inwieweit sich durch die Qualitätsoffensive die Kohärenz zwischen den Phasen verbessern kann, ist schwer zu beurteilen, weil die Rahmenbedingungen in den Ländern sehr unterschiedlich sind. In manchen Ländern gibt es beispielsweise eine Weiterbildungspflicht, in anderen, etwa in Hessen, nicht. Wie soll man es ohne eine entsprechende Verpflichtung schaffen, die dritte Phase mit der Hochschule zu verzahnen? Außerdem spielt es eine Rolle, ob es das Lehramtsstudium noch in Staatsexamensstruktur gibt, dadurch ist nämlich die zweite Phase institutionell anders verankert und die Hochschulen sind dabei eher ein peripherer Mitspieler."

Prof. Dr. Holger Horz, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt

 

 

6) Ein- und Umstiegsmöglichkeiten

Ausschreibung: Die Hochschulen sollen laut Ausschreibung unter anderem Verfahren zur gezielten Gewinnung von geeigneten Studierenden für das Lehramt sowie Maßnahmen zur kontinuierlichen Beratung und Begleitung von Studierenden entwickeln. Gleichermaßen ist die Entwicklung von Maßnahmen zur berufsbiographischen Förderung von bereits berufstätigen Lehrkräften im Vorbereitungs- und im Schuldienst als förderwürdig eingestuft.9

Umsetzung: 35 der insgesamt 59 geförderten Hochschulen beschäftigen sich in ihren Projekten mit Ein- und Umstiegsmöglichkeiten im Lehramt. Dabei liegt der Fokus der Projekte jedoch deutlich auf der Studienberatung und -begleitung von Lehramtsstudierenden (26 Hochschulen), so etwa an den Universitäten Passau und Bielefeld. Dagegen widmen sich nur 15 Hochschulen der Rekrutierung geeigneter Studierender. Auffällig ist, dass von diesen 15 Hochschulen wiederum sechs einen erkennbaren Fokus auf die Rekrutierung von Lehramtsstudierenden für das berufliche Lehramt bzw. für die gewerblich-technischen Lehramtsfächer setzen und in diesem Zusammenhang auch Maßnahmen zur Verbesserung des Quereinstiegs ins berufliche Lehramt vorsehen.


Insgesamt betrachtet wird der Themenkomplex Ein- und Umstiegsmöglichkeiten in den geförderten Projekten weniger stark in den Blick genommen als andere Themen.

"Ich glaube, dass die geförderten Projekte sich noch stärker dem Thema der strategischen Rekrutierung hätten widmen können. Zumindest in den Projektbeschreibungen spielt dieses Thema kaum eine Rolle; es scheint demnach nur selten einen Schwerpunkt darzustellen. Was die kontinuierliche Beratung und Begleitung von Lehramtsstudierenden angeht, sehe ich in den Projekten viele sehr interessante und vielversprechende Konzepte, die sowohl zur Unterstützung der Studierenden als auch zur Vernetzung hochschuleigener Strukturen beitragen können."

Dr. Birgit Nieskens, Leuphana Universität Lüneburg

 

 

7) Internationalisierung

Ausschreibung: Das Thema Internationalisierung in der Lehrerbildung war kein ausdrücklicher Gegenstand der Ausschreibung und wurde nicht explizit als förderwürdig herausgestellt. Aus Sicht von Expertinnen und Experten ist jedoch auch die Internationalisierung der Lehrerbildung ein wichtiges Zukunftsthema.  

Umsetzung: Projekte der Qualitätsoffensive Lehrerbildung setzen im Bereich Internationalisierung kaum Akzente. Nur fünf Hochschulen greifen das Thema Internationalisierung auf, die Universität Jena etwa widmet sich in einem eigenen Teilprojekt der verstärkten Schaffung internationaler Lernorte für das Praxissemester, die Universität Potsdam fördert Blended-Learning-Konzepte zur Betreuung von Studierenden, die das Praxissemester im Ausland absolvieren. Die Universität Konstanz baut im Zuge der Internationalisierung eine Binational School of Education mit der Pädagogischen Hochschule Thurgau in der Schweiz auf.

"Die Internationalisierung in der Lehrerbildung, also Studien- und Praxiserfahrung im Ausland, ist noch nicht so weit fortgeschritten, wie wir es uns wünschen würden. Sie erweitert den Erfahrungshorizont der Studierenden und sollte nicht nur in den modernen Fremdsprachen selbstverständlich sein."

Prof. Dr. Holger Burckhart, Hochschulrektorenkonferenz
  1. Grundlage ist die Selbstauskunft der Hochschulen, die sich am Monitor Lehrerbildung beteiligt haben (Stand: Winter 20149 und die Selbstauskunft der Länder (Stand: Winter 2015). Je nach Frage werden entweder Antworten für alle befragten Hochschulen ausgewiesen oder nur für einen Teil, etwa für Hochschulen mit einer bestimmten Studienstruktur.
  2. Grundlage für die Ermittlung von Schwerpunktsetzungen und aufgegriffenen Themen der geförderten Vorhaben sind die Kurzbeschreibungen der Projekte (http://bit.ly/1U4wUYN) sowie öffentlich zugängliche Dokumente der einzelnen Hochschulen, in denen die Hochschulen entweder selbst Schwerpunkte benannt haben oder diese deutlich erkennbar waren. Alle an Verbundprojekten beteiligten Hochschulen werden als Projekthochschulen gezählt.
  3. Diese Angabe bezieht sich auf den Lehramtstyp 4 für die Sekundarstufe II oder für das Gymnasium.
  4. 15 Länder antworteten auf diese Frage. Stand: Winter 2015.
  5. Die Einbindung und Verbesserung praktischer Studienanteile wird im folgenden Thema näher beleuchtet und fließt hier nicht mit in die Betrachtung ein.
  6. Vgl. Bund-Länder-Vereinbarung § 1.
  7. Vgl. Bund-Länder-Vereinbarung § 3.
  8. Vgl. Angaben zur Projektauswahl unter http://bit.ly/24ZEfkm.
  9. Vgl. Bund-Länder-Vereinbarung § 3.