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Monitor Lehrerbildung

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Berufsschule

Wie ist die Lehrerbildung in den gewerblich-technischen Fächern geregelt?

Zu den gewerblich-technischen Fachrichtungen zählen Studiengänge der Metalltechnik, Elektrotechnik, Bautechnik, Holztechnik, Textiltechnik und -gestaltung, Labortechnik/Prozesstechnik, Druck- und Medientechnik, Farbtechnik, Raumgestaltung und Oberflächentechnik, Fahrzeugtechnik und Informationstechnik.1 Im Folgenden wird zunächst ein Überblick über die derzeitigen Strukturen der Ausbildung für dieses Lehramt gegeben.

Wie ist die grundständige Ausbildung für das Lehramt an beruflichen Schulen aufgebaut?

Bis auf Brandenburg bilden alle Länder für das Lehramt an beruflichen Schulen2 (KMK-Lehramtstyp 5) aus. Die Struktur des Lehramtsstudiums ist je nach Land, teilweise auch je nach Hochschule sehr unterschiedlich. In der Regel wird eine der oben genannten beruflichen Fachrichtungen mit einem allgemeinbildenden Unterrichtsfach kombiniert.3 In Nordrhein-Westfalen gibt es die Möglichkeit, statt eines allgemeinbildenden Zweitfaches eine weitere ("kleine") berufliche Fachrichtung zu studieren. Auch andere Länder bieten die Möglichkeit, zwei affine berufliche Fachrichtungen zu studieren4 oder statt eines Unterrichtsfaches eine sonderpädagogische Fachrichtung zu wählen. In Hessen und in Thüringen endet das Studium der beruflichen Fachrichtung nach dem Bachelorabschluss, so dass im Masterstudium nur noch das allgemeinbildende Unterrichtsfach sowie die pädagogisch-didaktischen Studienanteile studiert werden. In der Regel wird aber die berufliche Fachrichtung sowohl im Bachelor- als auch im Masterstudium studiert.

 

Aus welchen Studienanteilen besteht das Lehramtsstudium für berufliche Schulen?

Das Studium für das Lehramt an beruflichen Schulen setzt sich, wie auch die Lehramtsstudiengänge für allgemeinbildende Schulen, aus den drei Säulen Fachwissenschaften, Fachdidaktiken und Bildungswissenschaften/Berufspädagogik5 zusammen. Der fachdidaktische Anteil verknüpft fachwissenschaftliches Wissen mit der Kompetenz, dieses im Unterricht zu vermitteln und ist daher im Lehramtsstudium von erheblicher Bedeutung. Während etwa im Lehramt für die Primarstufe der fachdidaktische Anteil im Studium sehr viel größer ausfällt als der rein fachwissenschaftliche Anteil, ist er in den Lehrämtern für die Sekundarstufe II, also auch für die beruflichen Schulen, deutlich geringer. Fachwissenschaftliche Lehrveranstaltungen werden häufig von Lehramtsstudierenden und rein fachwissenschaftlich Studierenden gemeinsam besucht - was bedeutet, dass eine fachdidaktische Verknüpfung, die wesentlich für Lehramtsstudierende ist, dort nicht stattfindet. Im Rahmen der Erhebung des Monitor Lehrerbildung wurden die Hochschulen gefragt, ob sie in den einzelnen Lehramtsstudiengängen spezielle fachwissenschaftliche Lehrveranstaltungen nur für Lehramtsstudierende anbieten und wenn ja, in welchem Umfang.

 

Abb. 4: Werden fachwissenschaftliche Lehrveranstaltungen speziell für Lehramtsstudierende angeboten? N=46 (Alle Hochschulen, die für das Lehramt an beruflichen Schulen ausbilden und sich am Monitor Lehrerbildung beteiligen. Angaben in absoluten Zahlen.)

Der überwiegende Teil der Hochschulen bietet zwar in den Lehramtsstudiengängen für die beruflichen Schulen spezielle fachwissenschaftliche
Lehrveranstaltungen für Lehramtsstudierende an, jedoch jeweils nur wenige. Nur zwei Hochschulen, die Universitäten Flensburg und Münster, bieten im Masterstudiengang für das Lehramt an beruflichen Schulen alle fachwissenschaftlichen Lehrveranstaltungen speziell für
Lehramtsstudierende an.

Welche praktischen Erfahrungen werden vorausgesetzt?

Zu den Zugangsbedingungen zum Vorbereitungsdienst an den beruflichen Schulen zählt in allen Ländern eine fachpraktische Tätigkeit im
Umfang von mindestens zwölf Monaten.6 Diese kann in Form von Betriebspraktika oder, im Idealfall, durch eine vorherige Berufsausbildung erbracht werden. Die Ausbildungsdauer für eine Lehrkraft an einer beruflichen Schule ist damit länger als in den anderen Lehrämtern und beträgt zehn Semester Lehramtsstudium, gefolgt von – je nach Landesvorgabe – 18 bis 24 Monaten Vorbereitungsdienst und mindestens zwölf Monaten berufspraktischer Tätigkeit. Eine angehende Lehrkraft für berufliche Schulen verbringt also etwa siebeneinhalb Jahre in Ausbildung.

Praxisbeispiel:
Kooperative Ausbildung im technischen Lehramt (KAtLa) an der TU Dresden, gefördert durch das Sächsische Staatsministerium für Kultus
Im Rahmen dieser kooperativen Ausbildung wechseln Lehramtsstudierende der TU Dresden nach Beendigung des vierten Studiensemesters für zwölf Monate in ein Unternehmen, um dort die praktischen Kompetenzen ihrer gewählten beruflichen Fachrichtung zu erlernen. Nach Abschluss der Praxisphase kann der Facharbeiterabschluss erworben werden. Dieses Ausbildungsmodell besteht derzeit für die Fachrichtungen Bautechnik, Metall- und Maschinentechnik sowie für Elektro- und Informationstechnik.
http://bit.ly/2yCJO08

Wer bietet eine grundständige Ausbildung für das Lehramt an beruflichen Schulen an?

Bei den fachlichen Studienanteilen in den beruflichen Fachrichtungen kooperieren viele Universitäten bzw. Pädagogische Hochschulen7 mit Fachhochschulen, die in den ingenieurwissenschaftlichen Fächern ausbilden. Entweder bietet die Universität bzw. Pädagogische Hochschule gemeinsam mit der Fachhochschule über Lehrexporte oder Doppeleinschreibungen die fachlichen Studienanteile an oder die fachlichen Studienanteile werden komplett nur an der Fachhochschule absolviert, die pädagogisch-didaktischen Anteile hingegen an der Universität bzw. Pädagogischen Hochschule. Außerdem gibt es über Kooperationsvereinbarungen mittlerweile häufig die Möglichkeit, nach einem an einer Fachhochschule erworbenen fachlichen Bachelorabschluss nahtlos in einen lehramtsbefähigenden Masterstudiengang an einer Universität bzw. Pädagogischen Hochschule zu wechseln. Diese Maßnahme verfolgt vor allem das Ziel, die Studierenden- bzw. Absolventenzahlen in den betreffenden Lehramtsstudiengängen zu erhöhen. Zahlreiche solcher Hochschulverbünde gibt es z.B. in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein. Damit liegt die Anzahl der an der Lehrerbildung für die gewerblich-technischen Fächer beteiligten Hochschulen bei über 70 Standorten, wobei an vielen Hochschulen jeweils nur wenige Fachrichtungen angeboten werden. In vielen Ländern werden die Kooperationsvereinbarungen im Rahmen von Reformprozessen nach und nach ausgebaut, so dass diese Zahl nur eine Momentaufnahme darstellt.8 In Nordrhein-Westfalen etwa wird der Ausbau der kooperativen Ausbildung zwischen Universitäten und Fachhochschulen mit insgesamt elf Millionen Euro durch das Land gefördert. Solche Kooperationsverbünde bestehen bereits an den Standorten Aachen, Münster, Paderborn, Siegen und Wuppertal. An diesen Standorten besteht außerdem die Möglichkeit für Quereinsteiger, sich in einem berufsbegleitenden Masterstudiengang für den Lehrerberuf zu qualifizieren (teilweise befindet sich ein solcher Studiengang noch im Aufbau). Durch die Einrichtung einer landesweiten Beratungsstelle für das Lehramt an Berufskollegs beim Landesprüfungsamt können sich Lehramtsinteressierte über Studien- und Weiterqualifizierungsmöglichkeiten informieren. In Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Thüringen gab es ebenfalls Reformen, die Fachhochschulabsolventen ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge den Zugang zum Lehramt erleichtern. Zwei Länder (Hamburg und Schleswig-Holstein) planen Reformen im Bereich des beruflichen Lehramtes: In beiden Fällen wird an der Erweiterung der Zugangswege bzw. an einem Ausbau der Kooperationen zwischen Universität und Fachhochschule für gewerblich-technische Fachrichtungen gearbeitet

Praxisbeispiel:
Projekt "BeLEK" - Lehrer/in Berufskolleg
Das vom nordrhein-westfälischen Ministerium für Kultur und Wissenschaft geförderte Projekt ermöglicht es Fachhochschulabsolventen eines ingenieurwissenschaftlichen Bachelorstudiengangs, auf Basis einer Kooperationsvereinbarung in einen lehramtsbefähigenden Masterstudiengang an einer Universität des Landes zu wechseln. Somit wird der Weg ins Lehramt auch für Schulabgänger ohne Allgemeine Hochschulreife möglich. Die beteiligten Hochschulen sind die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, die Technische Hochschule Köln, die Fachhochschule Aachen und die Hochschule Niederrhein.
http://bit.ly/2xbezWQ

Welcher Lehrkräftebedarf besteht in den gewerblich-technischen Fachrichtungen?

Im Rahmen der Erhebung des Monitor Lehrerbildung wurden die Länder gefragt, in welchen drei Fächern sie langfristig (bis 2020) den höchsten Lehrkräfteeinstellungsbedarf sehen. Elf von 15 Ländern, die für das berufliche Lehramt ausbilden, machten 2016 Angaben zu dieser Frage, zehn von diesen listeten mindestens ein gewerblich-technisches Fach als Bedarfsfach. Nahezu flächendeckend besteht also ein erhöhter Einstellungsbedarf für gewerblich-technische Fachrichtungen.9 Die Länder hielten sich im Rahmen der Befragung des Monitor Lehrerbildung mit genauen Prognosen über den Einstellungsbedarf an beruflichen Schulen in den einzelnen beruflichen Fachrichtungen bis zum Schuljahr 2022/23 insgesamt zurück – nur vier Länder machten hierzu konkrete Angaben, so dass kein repräsentatives Ergebnis genannt werden kann.

Betrachtet man die Altersstruktur der Kollegien an den beruflichen Schulen, so wird deutlich, dass im Bundesdurchschnitt im Schuljahr 2015/16 etwa 48% der Lehrkräfte 50 Jahre und älter waren und in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren aus dem Schuldienst ausscheiden werden. Außerdem zeigt sich eine deutliche Absenkung des Altersdurchschnitts an den allgemeinbildenden Schulen zwischen dem Schuljahr 2005/06 und dem Schuljahr 2015/16 um rund 10%. An den beruflichen Schulen hingegen hat eine solche Verjüngung der Kollegien bislang nicht signifikant stattgefunden:

Abb. 5: Entwicklung des Anteils der Lehrkräfte, die über 50 Jahre alt sind, an allen Lehrkräften an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen. Personen "ohne Angaben" wurden hier nicht berücksichtigt. Quelle: Statistisches Bundesamt10

Wie decken die Länder den Lehrkräftebedarf?

Die Gegenüberstellung von Neueinstellungen in den Vorbereitungsdienst zum Schuljahr 2015/16 mit der Deckung des Bedarfes durch Absolventen grundständiger Lehramtsstudiengänge spricht in einigen Ländern eine deutliche Sprache. Am Beispiel der beruflichen Fachrichtungen Metalltechnik und Elektrotechnik, die bundesweit von allen gewerblich-technischen Fachrichtungen am stärksten nachgefragt sind, ergibt sich für die Länder, die Angaben zu Neueinstellungen in den Vorbereitungsdienst und zur Anzahl der Absolventen eines vollständigen Lehramtsstudiums machten, folgende Gegenüberstellung:11

Abb. 6: Gegenüberstellung von Neueinstellungen in den Vorbereitungsdienst in der beruflichen Fachrichtung Metalltechnik zum Schuljahr 2015/16 und der Anzahl an Absolventen eines vollständigen Lehramtsstudiums für berufliche Schulen.

 

Abb. 7: Gegenüberstellung von Neueinstellungen in den Vorbereitungsdienst in der beruflichen Fachrichtung Elektrotechnik zum Schuljahr 2015/16 und der Anzahl an Absolventen eines vollständigen Lehramtsstudiums für berufliche Schulen.

 

In Berlin absolvierte keiner der zum Schuljahr 2015/16 eingestellten Bewerber in den Fachrichtungen Metall- und Elektrotechnik ein entsprechendes grundständiges Lehramtsstudium. Auch in Nordrhein-Westfalen zeigen sich in beiden Fächern deutliche Nachwuchsprobleme bei grundständig ausgebildeten Lehrkräften.

 

Begriffsklärung Quer- und Seiteneinstieg
Die Bezeichnungen Quer- und Seiteneinsteiger sind nicht immer trennscharf und werden teilweise in den Ländern unterschiedlich verwendet.12 Grundsätzlich gilt folgendes:

Quereinsteiger: Personen, die in der Regel ohne vorangegangenes Lehramtsstudium den Vorbereitungsdienst beginnen. Hier gibt es allerdings Mischformen: Als Quereinsteiger werden in manchen Ländern bzw. Kontexten zunehmend auch solche Personen bezeichnet, die nach Beendigung eines fachbezogenen (Bachelor-)Studiums einen lehramtsbezogenen Masterstudiengang aufnehmen - also als Quereinsteiger in das Lehramtsstudium wechseln.

Seiteneinsteiger: Personen, die ohne vorangegangenes Lehramtsstudium und ohne Vorbereitungsdienst bzw. Referendariat direkt in den Schuldienst einsteigen. Häufig wird der Vorbereitungsdienst dann durch eine berufsbegleitende pädagogische Zusatzqualifikation ersetzt.

Welche Möglichkeiten des Quer- und Seiteneinstiegs gibt es?

Da die sehr niedrigen Absolventenzahlen in den gewerblich-technischen Fächern aus Sicht der Länder derzeit nicht erwarten lassen, dass der Lehrkräftebedarf perspektivisch durch grundständig ausgebildete Lehrkräfte gedeckt werden kann, greifen viele Länder verstärkt auf Seiteneinsteiger zurück. In Mangelfächern, so auch in den gewerblich-technischen Fachrichtungen, bieten einige Länder sogar den Direkteinstieg ins Lehramt an, d.h. es werden auch Bewerber direkt in den Schuldienst eingestellt, die unter Umständen nur über einen fachwissenschaftlichen Bachelorabschluss verfügen. Solche Sondermaßnahmen zur Deckung des akuten Lehrkräftebedarfs spiegeln die Einstellungsnot vieler Länder wider. Entsprechend werden vielerorts Maßnahmen ergriffen, um den Quereinstieg ins Lehramtsstudium und auch in den Vorbereitungsdienst zu erleichtern und attraktiv zu machen. Je früher dabei die Lehramtslaufbahn eingeschlagen wird, desto mehr Raum bleibt für den Erwerb fundierter pädagogisch-didaktischer Kompetenzen. An acht Hochschulen13 existieren bereits solche Quereinstiegs-Masterstudiengänge, die es in zwei Varianten gibt: Die eine Variante richtet sich an Absolventen (auch Fachhochschulabsolventen) eines reinen Ingenieurstudiums, die während des Bachelorstudiums noch keine pädagogisch-didaktischen Kompetenzen erworben haben und diese dann im Masterstudium nachholen. Dieses Modell ist meist in vier Semestern zu absolvieren. Die zweite Variante, die sich ebenfalls an Absolventen reiner Fachstudiengänge richtet, wird als dualer Masterstudiengang berufsbegleitend absolviert und dauert in der Regel sechs Semester. In jeder Variante erhalten die Absolventen am Ende den Master of Education und haben somit ein vollwertiges Lehramtsstudium durchlaufen.

Regelungen der Länder für den Quer- und Seiteneinstieg ins Lehramt

Abb. 8: Regelungen der Länder für den Quer- und Seiteneinstieg ins Lehramt. Stand: November 2017. In Bremen gilt der Seiteneinstieg für den Vorbereitungsdienst.

 

Sechs Länder – Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern14 und Rheinland-Pfalz – gaben als zusätzliche notwendige Qualifikation für den Seiten- bzw. Quereinstieg Nachweise über Studienleistungen – der Umfang kann hier variieren – in einem zweiten (allgemeinbildenden) Unterrichtsfach bzw. einer zweiten beruflichen Fachrichtung an. Häufig unterliegen diese Regelungen allerdings einer Einzelfallprüfung.

Welche Reformen stoßen Länder und Hochschulen an?

Die Länder wurden gefragt, ob sie seit 2011 Reformen bzw. Reformmodelle des Lehramtes an beruflichen Schulen durchgeführt haben: In Baden-Württemberg, Berlin, Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben bereits Reformen stattgefunden bzw. finden derzeit statt. In sechs Fällen beziehen sich diese Reformen entweder ausschließlich oder auch auf Studiengänge gewerblich-technischer Fachrichtungen. In Berlin ist es dadurch seit 2014 möglich, anders als im Regelfall, zwei (nicht affine) berufliche Fachrichtungen zu studieren. In Nordrhein-Westfalen besteht mittlerweile für bereits berufstätige Lehrkräfte an Berufskollegs15 die Möglichkeit, sich in einem einjährigen Zertifikatskurs in den technischen Fachrichtungen Maschinen-, Elektro- und Fahrzeugtechnik weiter zu qualifizieren und damit eine unbefristete Unterrichtserlaubnis zu erwerben.


Sieben Hochschulen haben entweder bereits bestehende Masterstudiengänge reformiert oder neue Masterstudiengänge, z.B. Quereinstiegsmaster, eingerichtet. Fünf Hochschulen bauen Kooperationen zwischen Universität bzw. Pädagogischer Hochschule und Fachhochschule(n) aus, um Absolventen ingenieurwissenschaftlicher Bachelorstudiengänge für das Lehramt zu gewinnen.

Wie wird für das Lehramt an beruflichen Schulen geworben?

In Anbetracht der Nachwuchsprobleme im Lehramt für die beruflichen Schulen wurden die Länder gefragt, ob sie seit 2013 spezielle öffentlichkeitswirksame Maßnahmen zur Werbung für die Aufnahme eines Studiums für dieses Lehramt betreiben oder betrieben:

 

Abb. 9: Anzahl der Länder, die Angaben zur Frage "Betreibt oder betrieb Ihr Land seit 2013 spezielle öffentlichkeitswirksame Maßnahmen zur Werbung für die Aufnahme eines Studiums für das Lehramt an beruflichen Schulen?" machten. N=15.

Zehn Länder werben oder warben nach eigenen Angaben seit 2013 für die Aufnahme eines Lehramtsstudiums für die beruflichen Schulen. Sie wurden außerdem gebeten, die Maßnahmen genauer zu beschreiben. Aus den Angaben geht hervor, dass die Mehrheit der Länder Informationsveranstaltungen und/ oder Präsenzen auf Jobmessen unter diese Werbemaßnahmen fasst (sechs Fälle). Zwei Länder gaben Online Werbung als Maßnahme an. Konkrete Projekte zur Werbung für die Aufnahme eines Lehramtsstudiums für die beruflichen Schulen ließen sich in zwei Ländern identifizieren – in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen:

 

Praxisbeispiel:
Schüler-Lehrer-Akademie der Stiftung Niedersachsenmetall in Kooperation mit dem Niedersächsischen Kultusministerium und der Leibniz Universität Hannover
Diese Initiative bietet Oberstufenschülern seit 2011 die Gelegenheit, noch während der Schulzeit das Berufsfeld von Lehrkräften für die beruflichen Fachrichtungen Metall-, Fahrzeug- und Elektrotechnik kennenzulernen. Die Schüler besuchen dazu Universität, Studienseminar, Schule und Ausbildungsbetrieb und gewinnen so Einblicke in die Lernorte angehender Lehrkräfte.
http://bit.ly/2hT2dvZ
Praxisbeispiel:
TeachFuture - Zukunftsberuf Lehrer/in NRW am Berufskolleg - Projekt des Ministeriums für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen
Lehramtsinteressierte bekommen im Rahmen von Hospitationen an Universität, Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung und Berufskolleg Einblicke in die Lehramtsausbildung und das spätere Berufsfeld. Die Initiative wurde 2013 durch das Ministerium für Schule und Weiterbildung mit Unterstützung des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft, Vertretern von Spitzenverbänden der Wirtschaft, den Lehrerverbänden und Hochschulen gemeinsam ins Leben gerufen, um die Option des Lehramtes an Berufskollegs für Studieninteressierte bekannter zu machen.
http://bit.ly/2l3yhSX

Auch die Hochschulen wurden gefragt, ob es spezielle Maßnahmen zur Werbung für die Aufnahme eines Lehramtsstudiums für die beruflichen Schulen gebe:

 

Abb. 10: Anzahl der Hochschulen, die Angaben zur Frage "Gibt es spezielle Maßnahmen zur Werbung für die Aufnahme eines Lehramtsstudiums für die beruflichen Schulen?" machten. N=34 (Alle Hochschulen, die sich am Monitor Lehrerbildung beteiligen und Lehramtsstudiengänge in den gewerblich-technischen Fachrichtungen mit dem Ziel Lehrkraft an beruflichen Schulen anbieten).

Die Mehrzahl der 25 Hochschulen, die angaben, für die Aufnahme eines Lehramtsstudiums in den beruflichen Fächern zu werben, wirbt im Rahmen von Informationsveranstaltungen, z.B. an Schulen, auf Jobmessen oder im Rahmen der Hochschulinformationstage (13 Fälle). Sieben Hochschulen gaben an, gezielte Anwerbemaßnahmen von Absolventen ingenieurwissenschaftlicher Bachelorstudiengänge bei anderen Hochschulen, vor allem Fachhochschulen, zu betreiben. Hier gibt es vor allem in Nordrhein-Westfalen verschiedene Initiativen.

 

Praxisbeispiel:
Initiative www.ingenieur-plus-lehrer.de der Universität Wuppertal in Kooperation mit der Hochschule Bochum, der Westfälischen Hochschule und der Fachhochschule Südwestfalen
Im Rahmen dieses Projektes können Studierende ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge der beteiligten Hochschulen bereits während des Bachelorstudiums lehramtsrelevante Qualifikationen erwerben, die einen nahtlosen Übergang in den Master of Education an der Bergischen Universität Wuppertal ermöglichen. So wird der Weg ins Lehramtsstudium auch für Studierende mit Fachhochschulreife möglich.
http://www.ingenieur-plus-lehrer.de

Auf die Frage, ob es besondere Projekte oder Kampagnen gebe, um Studierende eines nicht-lehramtsbezogenen Fachstudiums für ein Masterstudium für das Lehramt an beruflichen Schulen zu gewinnen, antworteten etwa zwei Drittel der Hochschulen mit »Ja«:

 

Abb. 11: Anzahl der Hochschulen, die Angaben zur Frage "Gibt es besondere Projekte oder Kampagnen, um Studierende eines nicht-lehramtsbezogenen Fachstudiums für ein (Master-)Studium für das Lehramt an beruflichen Schulen zu gewinnen?" machten. N=34 (Alle Hochschulen, die sich am Monitor Lehrerbildung beteiligen und Lehramtsstudiengänge in den gewerblich-technischen Fachrichtungen mit dem Ziel Lehrkraft an beruflichen Schulen anbieten.)

Diese Hochschulen gaben folgende Maßnahmen an:

 

Abb. 12: Anzahl der Hochschulen, die Maßnahmen zur Anwerbung von Studienumsteigern angaben. N=21; Mehrfachnennungen waren möglich.

Die individuelle Studienberatung wird von allen 21 Hochschulen angegeben, die Maßnahmen zur Gewinnung von Studienumsteigern bzw. Quereinsteigern ergreifen. Orientierungspraktika und Mentoring-Programme, die Studierende während des Studiums begleiten und gegebenenfalls in einen lehramtsbefähigenden Masterstudiengang führen, werden hingegen nur jeweils von zwei Hochschulen angeboten. Die Universität Osnabrück beispielsweise hat im Rahmen des durch die Qualitätsoffensive Lehrerbildung geförderten Projektes »PLan C« ein solches Mentoring-Programm aufgebaut:

 

Praxisbeispiel:
Projekt "PLan C - Perspektive Lehramt als neue Chance", gefördert furch die Qualitätsoffensive Lehrerbildung
Das Projekt greift zwei Problemlagen auf: Den Mangel an Studienbewerbern für das Lehramt an beruflichen Schulen im gewerblich- technischen Bereich einerseits und die hohen Abbruchquoten in den ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen andererseits. Durch einen systematischen Ansatz soll so der Personenkreis zur Rekrutierung für ein Lehramtsstudium erweitert werden.
http://bit.ly/2l3CaqN
  1. Die Bezeichnungen entstammen den geltenden Bezeichnungen beruflicher Fachrichtungen der Kultusministerkonferenz und variieren teilweise in den Ländern. Vgl. KMK (1995), Rahmenvereinbarung über die Ausbildung und Prüfung für ein Lehramt der Sekundarstufe II (berufliche Fächer) oder für die beruflichen Schulen i.d.F. vom 06.10.2016.
  2. Die genauen Bezeichnungen für das Lehramt an beruflichen Schulen variieren von Land zu Land. Im Folgenden wird einheitlich die Bezeichnung "Lehramt an beruflichen Schulen" verwendet.
  3. Vgl. KMK (1995) Rahmenvereinbarung über die Ausbildung und Prüfung für ein Lehramt der Sekundarstufe II (berufliche Fächer) oder für die beruflichen Schulen i.d.F. vom 06.10.2016.
  4. Vgl. ebd. Laut KMK-Rahmenvereinbarung ist die Kombination mit einem affinen Fach nur in Ausnahmefällen möglich.
  5. In den allgemeinbildenden Lehrämtern wird nur von Bildungswissenschaften gesprochen, in den Lehrämtern für die beruflichen Schulen wird auch die präzisere Bezeichnung "Berufspädagogik" verwendet.
  6. Vgl. KMK (1995) Rahmenvereinbarung über die Ausbildung und Prüfung für ein Lehramt der Sekundarstufe II (berufliche Fächer) oder für die beruflichen Schulen i.d.F. vom 06.10.2016.
  7. Pädagogische Hochschulen existieren nur in Baden-Württemberg und bilden dort für das Lehramt für die Primarstufe, die Sekundarstufen I sowie - in Kooperation mit Fachhochschulen - für das Lehramt an beruflichen Schulen aus.
  8. Teilweise mögen schon weitere Kooperationsverbünde bestehen, die zum Entstehungszeitpunkt der Broschüre noch nicht auf den Webseiten der beteiligten Hochschulstandorte ausgewiesen waren.
  9. Vgl. KMK (2016) Einstellung von Lehrkräften, S. 27ff.
  10. Vgl. Bildung und Kultur, Fachserie 11, reihe 2, Berufliche Schulen und Bildung und Kuktur, Fachserie 11, Reihe 1, Allgemeinbildende Schulen. Angaben nur für das Lehrpersonal in gewerblich-technischen Fächern werden hier nicht ausgewiesen.
  11. Die folgenden Angaben liegen teilweise im niedrigen einstelligen Bereich und sind nur zur besseren Visualisierung prozentual ausgewiesen. Die Angaben stellen eine Momentaufnahme dar und können nur für die Länder ausgewiesen werden, die hierzu Angaben machten.
  12. Zur begrifflichen Unterscheidung zwischen Quereinstieg, Seiteneinstieg und Direkteinstieg vgl. Becker, Matthias, Spöttl, Georg & Vollmer, Thomas (2012), Lehrerbildung in gewerblich-technischen Fachrichtungen, Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag, S. 289 f.
  13. Diese sind die TU Berlin, die TU Darmstadt, die TU München und die Universitäten Hannover, Odnabrück, Münster, Siegen und Wuppertal, teilweise mit kooperierenden Fachhochschulen im Rahmen von Hochschulverbünden.
  14. In Mecklenburg-Vorpommern gilt dies nur für den Quereinstieg in den Vorbereitungsdienst, nicht für den Seiteneinstieg in den Schuldienst.
  15. Die Bezeichnung "Berufskolleg" existiert nur in Nordrhein-Westfalen. Es ist mit den beruflichen Schulen in anderen Ländern vergleichbar und bietet die Möglichkeit, vom Hauptschulabschluss bis zur allgemeinen Hochschulreife alle Schulabschlüsse zu erwerben. Mehr Informationen bietet das Schulministerium in Nordrhein-Westfalen: http://bit.ly/2zBhl3P.